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München zwei Zentimeter hoch und runter Wissenschaftler rechnen mit Folgebeben

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Das Satellitenbild vom 15.03.2011, 04:00 MEZ, zeigt Japan und die Umgebung.

(Foto: picture alliance / dpa)

Durch das Erdbeben der Stärke 9 in Japan hat sich der Spannungszustand der ganzen Erde verändert. Nun müssen andere Erdplatten zwangsläufig reagieren, meinen Wissenschaftler. Weitere große Beben wären die Folge.

Dem verheerenden Erdbeben von Japan werden nach Auffassung von Wissenschaftlern voraussichtlich weitere Beben folgen. "Man muss davon ausgehen, dass dieses Erdbeben andere große Erdbeben nach sich ziehen wird", sagte der Geophysiker Hans-Peter Bunge von der Ludwig-Maximilians-Universität München bei einer Podiumsdiskussion in der Bayerischen Akademie der Wissenschaften.

Boden in München hob und senkte sich

Der Spannungszustand des gesamten Erdkörpers habe sich verändert. Andere Erdplatten müssten nun zwangsläufig reagieren. Die Wellenbewegungen des Bebens von Japan hatten sich über die ganze Erde ausgebreitet. Sogar in München, wo die "Welle" nach zehn Minuten eintraf, habe sich der Boden noch um zwei Zentimeter gehoben und gesenkt, sagte Bunge. Mess-Stationen hätten dies aufgezeichnet.

In Japan habe vor allem der Tsunami unerwartete Ausmaße entwickelt. Das Wasser habe sich bis zu 20 Meter hoch getürmt. "Das war in der Tat der am schwersten beherrschbare Aspekt", sagte Bunge.

Sendai liegt jetzt tiefer

Die Geologin Anke Friedrich von der LMU sagte, in Japan habe sich während der Erdstöße der Boden um ein bis zwei Meter gehoben und gesenkt. In dem Küstenort Sendai liege der Boden derzeit als Folge um rund 30 Zentimeter tiefer. "Dadurch wurde der Effekt des Tsunami noch verstärkt." Die Schutzmauern an den Kraftwerken seien auf 6,50 Meter ausgelegt gewesen, die Welle sei dort aber 7 Meter hoch gewesen. Das Erdbeben zeige, dass nicht nur aufgrund von Wahrscheinlichkeiten aus den Erfahrungen der vergangenen hundert Jahre gerechnet werden dürfe. Hier müsse man als Konsequenz aus dem Beben umdenken.

Die Reaktoren und Anlagen in Japan seien für Beben bis zu einer Stärke 8,2 gebaut gewesen. Die Stärke 9 sei bereits um einen Faktor zehn stärker, erläuterte Bunge. Die natürliche Begrenzung für Erdbeben liege bei Stärke 10, da man davon ausgehe, dass Erdplatten maximal auf einer Länge von 2000 Kilometern brechen könnten. In Japan war es eine Länge von etwa 500 Kilometern.

Bebenvorhersage schwierig

Die Vorhersage von Beben bleibe schwierig. Selbst wenn die Spannungsverteilungen in der Erde genau bekannt wären, sei das genaue Bruchverhalten in den Erdplatten genauso wenig absehbar wie bei einem Stab, der auseinanderbreche. Jedoch seien große Schritte in der Vorhersehbarkeit möglich, betonte Roland Pail vom Lehrstuhl für Astronomische und Physikalische Geodäsie der Technischen Universität München.

Der Wissenschaftliche Direktor des Forschungsreaktors FRM II in Garching, Winfried Petry, verwies darauf, dass die Reaktoren in Fukushima aufgrund ihrer Bauart nicht mit dem Unglücksreaktor von Tschernobyl vergleichbar seien.

Quelle: ntv.de, dpa