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Helfer in Fukushima Wurden Feuerwehrmänner gezwungen?

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picture alliance / dpa

Ihr Einsatz wird als heldenhaft beschrieben: Die Feuerwehrmänner setzen für die Kühlungsarbeiten in Fukushima ihr Leben aufs Spiel. Freiwillig sollen sie sich dazu bereit erklärt haben. Doch nun wird bekannt, dass der japanische Industrie- und Wirtschaftsminister sie zu diesem Engagement gezwungen haben soll.

Toyohiko Tomioka kann seine Tränen kaum zurückhalten. Der Feuerwehreinsatzleiter und seine Männer sind ausgerückt zu einem Einsatz, der geradezu Übermenschliches von ihnen verlangt. Sie sollen helfen, im havarierten Atomkraftwerk von Fukushima eine Katastrophe abzuwenden, die noch schlimmer werden könnte als der Super-GAU von Tschernobyl.

Dies ist kein Einsatz, wie er in ihren Trainingsplänen steht. Es geht nicht um das Löschen eines Brandes, sondern sie sollen mit ihren Wasserkanonen ein havariertes Atomkraftwerk kühlen. "Kampf gegen einen unsichtbaren Feind" sagt Tomiokas Kollege Yukio Takayama über die radioaktive Verstrahlung.

Ständige Angst um die Männer

Am härtesten zu ertragen gewesen sei die Angst um seine Männer, sagt Tomioka nach der Rückkehr vom Einsatz in der atomaren Hölle von Fukushima. Es sei völlig anders gewesen als bei ihren Trainingseinsätzen.

Angesichts der ständigen Angst habe man zugesehen, die Männer immer nur für kurze Zeit unter den radioaktiven Strahlen arbeiten zu lassen. Doch die Männer scheinen keine andere Wahl gehabt zu haben.

Vorwurf an den Wirtschaftsminister

Industrie- und Wirtschaftsminister Banri Kaieda soll die Feuerwehrmänner aus Tokio gezwungen haben, stundenlang Wasser auf den Reaktor zu sprühen. Der Minister soll den Männern eine Strafe angedroht haben, falls sie die Aufgabe nicht ausführten. Der Gouverneur von Tokio, Shintaro Ishihara, beschwerte sich laut Medien bei Premier Naoto Kan darüber. Daraufhin sagte Minister Kaieda lediglich: "Wenn meine Bemerkungen Feuerwehrmänner verletzt haben, (...) möchte ich mich in diesem Punkt entschuldigen."

Für die Männer und ihre Familien dürfte das ein schwacher Trost sein. Seiner Frau habe er vor dem Ausrücken geschrieben, es sei nun einmal ein Befehl, aber er werde in jedem Fall zurückkommen, sie möge sich nicht sorgen, sagte Takayama kürzlich auf einer Pressekonferenz mit Tränen in den Augen. Sie glaube an ihn und warte, habe seine Frau erwidert. Jetzt, da er zurück sei, wolle er erstmal eines: ausgiebig schlafen.

Quelle: n-tv.de, dpa

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