Erneuerbare Energien

Nachhaltige Investments Schwellenländer treiben Energiebedarf

Der Hunger nach Energie wird in den kommenden Jahren stark steigen. Neben einer wachsenden Weltbevölkerung und einer weiter voranschreitenden Industrialisierung liegt das auch an der Verstädterung und dem Drang der Menschen nach Mobilität. Für Anleger bedeuten diese nachhaltigen Trends Investitionschancen.

Corinne Spiess Dr. Höller Vermögensverwaltung

Corinne Spiess, Mitglied der Geschäftsleitung der Dr. Höller Vermögensverwaltung

Es leben immer mehr Menschen auf der Erde. Schon in zwei bis drei Jahren werden wir schon mehr als sieben Milliarden Menschen zählen. Bis zum Jahr 2050 soll die Weltbevölkerung nach Schätzungen der UNO um mehr als ein Drittel zunehmen – auf dann mehr als neun Milliarden Menschen. Eine rasante Entwicklung, bedenkt man, dass 1987 erst die Marke von fünf Milliarden überschritten wurde.

Die Industrialisierung der Schwellenländer schreitet mit hohem Tempo voran. Plastisch abzulesen ist dies am zeitweise prozentual zweistelligen Wirtschaftswachstum in Indien und China.

Gleichzeitig nimmt die Urbanisierung in den Schwellenländern stark zu. So leben derzeit 40 Prozent aller Chinesen in Städten. In 20 Jahren werden es voraussichtlich 70 Prozent sein. Stadtmenschen sind gemeinhin wirtschaftlich produktiver als die Landbevölkerung. Sie verbrauchen aber auch mehr Energie.

Immer mehr Menschen werden mobiler. Derzeit beläuft sich die PKW-Penetration in China noch auf weniger als 10 Fahrzeuge je 1000 Einwohner. Doch die Motorisierung der Bevölkerung nimmt stark zu. In den vergangenen zehn Jahren hat sich die Produktion von PKW, LKW und Bussen in der Volksrepublik fast verfünffacht. Mittlerweile stellt China den größten PKW-Markt der Welt dar. Gleichzeitig nimmt der Warentransport zu. Nach einer Faustformel wächst der Welthandel dreimal schneller als die Weltwirtschaft. Bspw. wird ein T-Shirt zweimal um die Welt transportiert, bis es vom Hersteller zum Endverbraucher gelangt.

Für die weltweit wachsende Energienachfrage sind zu zwei Dritteln die Schwellenländer wie China und Indien verantwortlich. Das jährliche prognostizierte Wachstum beläuft sich in den Entwicklungsländer nach Schätzungen der Internationalen Energiebehörde (IEA) bis 2030 auf 2,3 Prozent pro Jahr. In den Staaten der OECD steigt die Nachfrage dagegen voraussichtlich "nur" um 0,9 Prozent pro Jahr. Insgesamt rechnet die IEA damit, dass die Energienachfrage in den kommenden 20 Jahren um rund 50 Prozent zunehmen wird. Mit herkömmlichen Methoden wird sich dieser enorme Bedarf kaum befriedigen lassen.

Erdöl wird knapp

Derzeit besteht der weltweite Energiemix zu rund vier Fünfteln aus fossilen Energieträgern. Die Förderung der bestehenden Ölfelder geht allerdings bereits heute um jährlich 6,7 Prozent zurück. Um die sinkende Produktion erschöpfter Ölvorkommen auszugleichen, wäre es erforderlich, bis zum Jahr 2030 das Äquivalent der vierfachen Förderkapazität Saudi-Arabiens neu zu finden. Weltweit werden aber kaum neue nennenswerte Vorkommen entdeckt. Wenn doch, sind diese schwer zugänglich. So befindet sich das Ölfeld Tupi vor der Küste Brasiliens mehrere Kilometer unter dem Meeresspiegel. Zudem wird es von einer schwer durchdringbaren Gesteinsformation überlagert. Schließlich sind an den offiziellen Angaben der OPEC-Staaten in Bezug auf ihre Reserven Zweifel angebracht. Denn deren Förderquoten sind an die entsprechenden Vorkommen geknüpft. Je höher ein OPEC-Staat seine Reserven ausweist, desto mehr Öl darf er verkaufen. Unabhängige Beobachter gehen daher fest davon aus, dass die Ressourcen eher zu hoch als zu niedrig ausgewiesen werden.

Eine steigende Energienachfrage trifft somit auf eine bereits heute sinkende Produktion von Erdöl. Zwar lässt sich Öl zum Teil durch Gas und Kohle ersetzen. Doch der nicht einfache Transport (Gas) und die hohe Umweltbelastung (Kohle) setzen hier Grenzen. Gleichzeitig wollen vor allem die USA und China aus geopolitischen Gründen unabhängiger vom Erdöl werden. Von diesen Entwicklungen werden neben der Kernkraft vor allem erneuerbare Energien profitieren. Denn nur mit ihrem massiven Ausbau ist ein absehbarer Energieengpass zu vermeiden. Zudem beflügeln die durch Knappheit steigenden Preise für fossile Energieträger sowie der technische Fortschritt die so genannte Netzparität - die Kosten für herkömmlich und alternativ erzeugten Strom nähern sich immer weiter an. Es verwundert kaum, dass insbesondere die Vereinigten Staaten und die Volksrepublik China im Rahmen ihrer Konjunkturprogramme die erneuerbare Energieerzeugung stark fördern. Davon profitieren die in diesem Bereich tätigen Aktiengesellschaften. Dies gilt ebenfalls für Firmen, die Technologien zum effizienteren Einsatz von Energie anbieten. Die Dr. Höller Vermögensverwaltung präferiert derzeit unter anderem folgende Unternehmen, die in den Bereichen alternative Energieerzeigung und Energieeffizienz erfolgreich tätig sind:

Philips Electronics (NL 000 000 953 8) hat sein Geschäftsmodell fokussiert und sich von zahlreichen ertragsschwachen Sparten getrennt. Im Bereich Energieeffizienz sind die Niederländer Marktführer. Auch in der Sparte Lighting zählt sich Philips nach eigenen Angaben zu den weltweit führenden Anbietern. Dieser Geschäftsbereich entwickelt und verkauft energieeffiziente Lichtkonzepte an Kunden aus dem öffentlichen, gewerblichen und privaten Bereich.

STR Holdings (US 784 78V 100 8) ist weltweit der führende Hersteller von Einkapselungsfolien für Solarmodule. Fast ein Drittel aller produzierten Solarmodule werden mit den Spezialfolien von STR ausgestattet. Das Unternehmen ist global tätig und vor allem in Asien und Lateinamerika stark positioniert. Die Amerikaner zählen zu den Profiteuren des weiter wachsenden Solarmarkts. Die Ergebnisse für das 4. Quartal fielen besser aus als von Analysten erwartet.

Veeco Instruments (US 922 417 100 2) entwickelt Produktionsanlagen u.a. für Kunden aus der Solarindustrie und Hersteller von LED-Chips. Marktforscher prognostizieren, dass die Zahl der verkauften LED-Chips von 63 Mio. in 2009 auf 166 Mio. Stück in 2013 steigen wird. Die Umsätze werden demnach von 6,8 Mrd. US-$ auf 17,4 Mrd. US-$ zulegen. Neben Veeco liefern nur Aixtron und Cree entsprechende Anlagen zur Produktion von LEDs. Damit sind weiter hohe Margen vorprogrammiert.

CPFL Energia SA ADR (US 126 153 105 7) ist der größte Stromversorger Brasiliens. Im Bereich Energieerzeugung durch Wasserkraft verfügt das Unternehmen auf seinem Heimatmarkt über ein Monopol. Das hohe Wirtschaftswachstum Brasiliens eröffnet CPFL Energia überdurchschnittliches Potenzial. Über Beteiligungen ist der Energieversorger auch in den übrigen lateinamerikanischen Ländern vertreten.

Die in diesem Dokument enthaltenen Angaben stellen keine Anlageberatung dar. Die Wertentwicklung der Vergangenheit ist kein verlässlicher Indikator für künftige Wertentwicklungen.

Corinne Spiess ist Mitglied der Geschäftsleitung der Dr. Höller Vermögensverwaltung, einer 100%igen Tochter der Hauck & Aufhäuser Privatbankiers. Das Unternehmen legte 1995 den ersten Ethikfonds Kontinentaleuropas auf und gilt als Pionier bei nachhaltigen Investments.

Quelle: n-tv.de

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