Inside Art

Zwischen Kunst und Kabarett Nuhr beeindruckt nicht nur mit Sprachbildern

Dieter Nuhr ist nicht nur einer der pointiertesten Kabarettisten Deutschlands, er beeindruckt auch als Künstler. Seine Fotografien sind subtile Momentaufnahmen von malerischer Qualität.

Die Abdrücke einer abgerissenen Reklame, ein neckischer Riss im dunklen Putz einer Wand, auf einer weißen Tür wachsende Flechten, die ein unregelmäßiges Muster ergeben und an abstrakte Gemälde erinnern: Die Fotografien von Dieter Nuhr erfassen das scheinbar Nichtige, das sich als Spuren jenseits von Zeit und Raum manifestiert. All den Motiven, denen Nuhr nachgeht, ist eine gewisse Zeitlichkeit gemein. Er fixiert den vergänglichen Moment und schafft mit seinem fotografischen Blick Kapseln der Erinnerung.

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Kabarettist in ungewohnter Rolle: Dieter Nuhr als Fotograf

(Foto: Jutta Haßhoff-Nuhr)

Dieter Nuhr, im Jahr 1960 in Wesel geboren, verbringt seine Kindheit und Jugend in Düsseldorf. Hier absolviert er das Abitur und studiert anschließend an der ehemaligen Folkwang-Schule in Essen Kunst und Geschichte. Dort besuchte er die Malerklasse des ungarisch-deutschen Malers, Bildhauers und Konzeptkünstlers László Lakner. Er begeistert sich aber schon früh für das Kabarett. Seit seinem Solodebüt 1994 kommentiert er mit spitzer Zunge das Zeitgeschehen - mit erheblichem Erfolg. Als Komiker, Kabarettist, Autor und Moderator begeistert er das Publikum bei Auftritten und im Fernsehen und scheut sich auch nicht vor kontroversen Statements. Für seine Arbeit als Comedian hat er viele Auszeichnungen erhalten, 2017 unter anderem den Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen.

Weniger bekannt ist Dieter Nuhr für seine Arbeit als bildender Künstler. Seit 1995 widmet er sich zunehmend der Fotografie, stellt seit 1999 auch international aus. Heute werden seine Werke, die meist auf Reisen entstehen, in Museen von Ratingen bis Peking gezeigt. Er nutzt Fotografie konzeptuell, nicht als rein dokumentarisches Medium. Er hat ein reflexives Verhältnis zu Fotografie. Sie dient ihm einerseits als Möglichkeit, Momentanes und Flüchtiges einzufangen, aber dabei bleibt es nicht. Die Bilder, die so entstehen, sind sorgsam komponiert und haben eine fast malerische Qualität. Wie die scharfen Worte, die Nuhr in seinen Programmen präzise wählt und kombiniert, so erweisen sich auch seine bildnerischen Motive als bewusst gesetzt.

Fotografierend erkundet Dieter Nuhr die Welt und findet verlässlich das Besondere im Banalen. Seine Motive sind weder touristisch noch widmet er sich Landschaften oder vermeintlich exotischer Architektur. Er konzentriert sich mit seinem unkonventionellen Blick auf das Subtile. "Das sind keine dokumentarischen Reisebilder, ich sehe mich nicht als Fotograf, sondern als Bildermacher", sagte er in einem Interview mit der "Rheinischen Post". Nuhrs fotografischen Arbeiten wirken nicht prätentiös, dennoch strahlen sie eine Aura der Vielschichtigkeit aus. Spuren, Zeit und Zufall verweben sich zu einem dichten Netz. Unterschiedlichste Oberflächen und das kompositorische Zusammenspiel verschiedener Texturen ergänzen einander. Dieter Nuhr begeistert nicht nur als bissiger Kabarettist, er ist auch ein nomadischer Ethnograf urbaner und kultureller Spuren.

Editionen und Infos zu Dieter Nuhrs Kunstwerken finden Sie hier.

Quelle: ntv.de