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"Ach, schön ist das Gelb!" 150. Geburtstag Van Goghs

Er gilt als genial und geisteskrank, erfolglos zu Lebzeiten und heute als teuerster Maler der Welt: Vincent van Gogh. Die Bilder des niederländischen Künstlers sind überall bekannt, seine "Sonnenblumen" in üppigen Gelbtönen weltberühmt. In jedem wichtigen Museum stößt man auf Werke des ungeheuer produktiven Malers. Das Van-Gogh-Museum in Amsterdam widmet ihm derzeit zwei Sonderausstellungen - zum 150. Geburtstag.

Am 30. März 1853 wird van Gogh im niederländischen Dorf Zundert als Sohn eines Pastors geboren. Mit 13 Jahren beginnt er eine Lehre in der Kunsthandlung Goupil & Cie in Den Haag. Als 20-Jähriger wird der eigenwillige und oft schwierige junge Mann nach London versetzt, wo er aus Enttäuschung über eine nicht erwiderte Liebe viel zeichnet.

Erst Theologie, dann Kunst

Nach weiteren Versetzungen verlässt van Gogh schließlich die Kunsthandlung und sucht sein Heil in der Religion. An mehreren Orten arbeitet er als Lehrer und Hilfsprediger. Ein geplantes Theologie-Studium in Amsterdam bricht van Gogh schon während der Vorbereitungen ab. Er hat Sehnsucht nach der Kunst, wie er in einem seiner zahlreichen Briefe an seinen Bruder Theo schreibt: "Wie viel Schönes gibt es doch in der Kunst! Wenn man nur behalten kann, was man gesehen hat, dann ist man nie leer oder wirklich einsam, nie allein."

Van Gogh widmet sich vorübergehend in Brüssel dem Studium der Kunst. Nach 1880 verlegt er sich ganz aufs Malen. Für den Lebensunterhalt sorgt sein Bruder Theo. Vincent zeichnet vorwiegend düstere Werke, wie etwa das dunkle Profil einer Bäuerin, das im vergangenen Februar von einem japanischen Auktionshaus nur auf 10.000 Yen (rund 77 Euro) geschätzt wurde. Als schließlich die Echtheit anerkannt war, kletterte der Wert auf mindestens drei Mio. Yen (rund 23.000 Euro). Viele von van Goghs Werken erzielen heute bis zu dreistellige Millionenbeträge - sofern sie überhaupt verkäuflich sind.

Van Gogh siedelt 1886 von Antwerpen nach Paris über, wo er im renommierten Atelier Cormon arbeitet und die Künstler Henri de Toulouse-Lautrec, Paul Gauguin und Claude Monet kennen lernt. Er entdeckt die Arbeit der Impressionisten, ihren Umgang mit Licht und Farbe und ihre "Pointillismus" genannte Technik der feinen Pinseltupfer. Van Gogh wählt fortan ebenso Motive aus Stadtleben und Landschaft. Weil sich der Maler, der weiterhin von der Unterstützung seines Bruders lebt, keine Modelle leisten kann, fertigt er auch Selbstporträts.

Van Gogh experimentiert viel, macht große Fortschritte in der Malerei und nimmt an kleinen Ausstellungen teil. Wie Stefan Koldehoff in seinem zum Jubiläum erschienenen Buch "Van Gogh - Mythos und Wirklichkeit" nachweist, verkauft der Künstler auch einige Werke.

Fast 900 Ölgemälde angefertigt

Van Gogh zieht es schließlich 1888 ins südfranzösische Arles, wo er das "Gelbe Haus " bewohnt. Das intensive Licht und die verschwenderischen Farben der Provence begeistern ihn: "Eine Sonne, ein Licht, das ich mangels besserer Bezeichnungen nur Gelb, blasses Schwefelgelb, blasses Zitronengold nennen kann. Ach, schön ist das Gelb!" Die dick aufgetragenen Farben werden zum Spiegelbild seiner zerrissenen Seele, wie van Gogh schildert: "Ich habe versucht, mit Rot und Grün die schrecklichen menschlichen Leidenschaften auszudrücken."

Van Gogh, der in wenigen Jahren mehr als 1.000 Zeichnungen und fast 900 Ölgemälde anfertigt, fühlt sich in Südfrankreich "in einem ständigen Arbeitsfieber": Er malt viel, schläft und isst wenig und beklagt seinen nervlich überreizten "Wahnsinnszustand".

Schließlich zieht Gauguin zu van Gogh. Die Freunde streiten immer wieder, auch wegen unterschiedlicher Kunstauffassungen. Kurz vor Weihnachten 1888 hat van Gogh einen Anfall und bedroht Gauguin mit einem Rasiermesser. Anschließend schneidet er sich selbst ein Stück des Ohrs ab. Einige Experten halten es aber für möglich, dass Gauguin ihm die Verstümmelung in einem Anfall von Jähzorn beibrachte. Mehrere Aufenthalte in Heilanstalten folgen; an was für einer Krankheit van Gogh litt, ist bis heute nicht endgültig geklärt. Während eines Anfalls versucht er einmal, giftige Farben zu essen.

Van Gogh zeigt sich enttäuscht über sein Leben und Schaffen: "Ich glaube bestimmt, es ist besser, Kinder großzuziehen, als seine ganze Nervenkraft dranzusetzen, Bilder zu malen." Am 27. Juli 1890 schießt sich der 37-jährige eine Kugel in die Brust und stirbt zwei Tage später. Wenige Monate vor seinem Tod erschien zwar der erste begeisterte Artikel über seine Bilder, aber der Mythos van Gogh blüht laut Autor Koldehoff erst vor dem Ersten Weltkrieg auf. Die größte Sammlung seiner Werke findet sich heute im Amsterdamer Van-Gogh-Museum.

Von Irene Preisinger, AP

Quelle: ntv.de

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