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Fataler Justiz-Irrtum in USA 22 Jahre unschuldig in Haft

22 Jahre saß der US-Amerikaner Clark McMillan hinter Gittern. 22 Jahre lebte der Mann mit dem Vorwurf, ein 16-jähriges Mädchen vergewaltigt zu haben. 22 Jahre war der 45-Jährige von seiner Unschuld überzeugt. Jetzt kam Clark McMillan frei - eine DNS-Analyse hat den Vorwurf der Vergewaltigung widerlegt.

Tests hatten ergeben, dass seine DNS nicht mit der des am Tatort gefundenen Spermas übereinstimmte. Der zuständige Richter im US-Bundesstaat Tennessee hob daraufhin das Urteil auf. "Ob ein Fehler gemacht wurde? Ja, es wurde ein Fehler gemacht", musste der stellvertretende Leiter der Justizbehörde in Memphis eingestehen.

"Ich fühle mich wie neu geboren", meinte ein sichtlich erleichterter McMillan nach seiner Entlassung aus der Haftanstalt. Dass der Verurteilte nun, nach 22 Jahren, seinen zweiten Geburtstag feiern kann, ist der Arbeit des "Innocence Projects" zu verdanken. Die Organisation hat sich dem Motto "Truth in Justice" verschrieben. Ihre stärkste Waffe im Kampf um die Wahrheit ist "Kommissar DNS".

Dutzende Berufungen gegen langjährige Haftstrafen oder Todesurteile landen jährlich auf den Schreibtischen der Non-Profit-Organisation. Seit 1992 konnte insgesamt 108 Inhaftierten die Unschuld nachgewiesen werden.

Es könnten deutlich mehr sein, so die Verantwortlichen. Doch nur 13 US-Bundesstaaten sind gesetzlich verpflichtet, Beweisstücke für die gesamte Zeit der Inhaftierung der Verurteilten aufzubewahren. In anderen Staaten werde Jahr für Jahr potenzielles Entlastungsmaterial vernichtet.

McMillan hatte Glück, die Kleidung des Vergewaltigungsopfers konnte für einen DNS-Test herangezogen werden. Die Unnachgiebigkeit der US-amerikanischen Justiz trieb selbst nach Klärung seines Falls skurrile Blüten: Nach Aufhebung des Hafturteils musst McMillan noch zwölf Tage auf seine Entlassung warten. Der Grund: Er hatte noch eine Strafe wegen unerlaubten Waffenbesitzes abzusitzen.

Quelle: ntv.de