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"Ich werde das durchstehen" Ackermann kämpferisch

Der Vorstandssprecher der Deutschen Bank, Josef Ackermann, ist fest entschlossen, den Wirbel um seine Person durchzustehen. Der Schweizer fürchtet im Zusammenhang mit der bevorstehenden Klage der Düsseldorfer Staatsanwaltschaft weder um sein eigenes noch um das Image seiner Bank. "Ich glaube, die Deutsche Bank hält das aus, wenn ich längere Zeit an einem Prozess teilnehmen muss", sagte Ackermann. "Sie würde auch keinen Schaden nehmen, wenn ich einmal drei Monate wegen eines Beinbruchs im Krankenhaus liegen müsste".

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Banker vor, in seiner Funktion als Mannesmann-Aufsichtsrat überhöhte Abfindungsregelungen für Manager der von Vodafone übernommenen Mannesmann abgesegnet zu haben.

Gegenwind erfährt Ackermann aber nicht nur aus dem Lager derer, die an der Übernahme Mannesmanns durch Vodafone nach einer hierzulande beispiellosen Schlacht prächtig verdient haben und deren Gewinne an der Börse nun dahingeschmolzen sind. Sehr viel substanzieller ist der Druck, der sich aus der finanziellen Situation der Deutschen Bank ergibt; der Börsenkurs ist mit rund 36 Euro nicht eben dazu angetan, Ackermann zu entlasten.

"Wir haben uns zu stark auf das Ruhekissen 'Beteiligungen' verlassen", erklärte Ackermann gegenüber dem "Handelsblatt". "Dadurch war der Druck auf die operative Leistungsfähigkeit nicht so ausgeprägt vorhanden, wie das heute der Fall ist", ergänzte er unter Anspielung auf die verkrusteten Strukturen in der deutschen Wirtschaft. Ackermann kritisiert die Staatsquote* von über 50 Prozent und verweist auf wichtige Konzerne, die wegen zahlreicher Überreglementierungen nicht nach Deutschland kommen bzw. den Standort verlassen wollen. Gleichwohl glaubt er, dass die Regierung die Situation nunmehr realistisch einschätzt und dass die von Bundeskanzler Gerhard Schröder angekündigten Reformschritte in die richtige Richtung gehen.

Bezogen auf seine Branche weist Ackermann Spekulationen um eine Liquiditätskrise zwar entschieden zurück; auf der einen Seite hatte er jedoch wiederholt Gespräche über mögliche staatliche Auffanglösungen für strauchelnde Großbanken angeschoben. Zudem gesteht er offen ein: "Wenn die Ertragskrise über Jahre anhält, bekommen die deutschen Banken auch ein Problem mit ihren Bilanzstrukturen".

Um dieses Schicksal zumindest für sein Haus abzuwenden, will Ackermann weiter an der Kostenschraube drehen. Seine Zuversicht für das Gesamtjahr geht gar so weit, dass er die Risikovorsorge deutlich reduzieren möchte, was in der deutschen Bankenlandschaft derzeit einmalig ist.

*Anteil staatlicher Leistungen am Bruttoinlandsprodukt

Quelle: n-tv.de