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Unsaubere Geschäfte? Aktienverkäufe des Amazon-Chefs unter der Lupe

Aktienverkäufe des Chefs von Amazon haben offensichtlich das Misstrauen der US-Börsenaufsichtsbehörde (SEC) geweckt. Einem Bericht der "New York Times" zufolge, untersucht die SEC den von Jeff Bezos getätigten Verkauf von 800.000 Amazon-Anteilsscheinen im Wert von über 12 Mio. US-Dollar. Grund für die Untersuchung sei, dass die Transaktion ausgerechnet kurz vor der Veröffentlichung eines negativen Berichtes einer Investmentbank getätigt wurde. Die SEC kommentierte den Artikel nicht.

Laut dem Zeitungsbericht soll die Konzernleitung eine Woche vor dem Aktienverkauf Anfang Februar eine Vorabkopie einer Amazon-Konzernübersicht des Investmenthauses Lehman Brothers in die Hände bekommen haben. Darin wird die Fähigkeit Amazons bezweifelt, bis zum Ende des Jahres die Geschäfte und die Kreditfähigkeit aufrecht zu halten. Kurz darauf tat Jeff Bezos, wie gesetzlich vorgeschrieben, schriftlich seine Verkaufsabsichten kund. Ein paar Tage später wurde der Bericht veröffentlicht.

Ein Amazon-Sprecher sagte lediglich, dass der Firmenchef nur Kapital angesammelt hätte, um sein Portfolio zu erweitern. Zudem hätte der Bericht keine neuen Erkenntnisse enthalten und der Aktienwert wäre am Tag nach der Veröffentlichung sogar gestiegen. Der Verkauf sei auch innerhalb der offiziellen Zeitspanne getätigt worden, in der das Management Unternehmenstitel veräußern darf.

Juristisch gesehen wird Insider-Handel praktiziert, wenn Angestellte auf Grund nicht öffentlicher Information Wissen erlangen, das den Wert der Firma beeinflussen kann und daraufhin Aktientransaktionen unternehmen. Der Lehman Brothers-Bericht war in der Tat zuerst nichtöffentlich. Er hatte aber offensichtlich keinen nachhaltigen materiellen Einfluss auf den Aktienpreis.

Quelle: ntv.de