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Fusion außerhalb der USA Andersen verhandelt mit KPMG

Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Andersen verhandelt mit dem Konkurrenten KPMG über einen möglichen Zusammenschluss beider Organisationen außerhalb der USA.

"Wir sind derzeit dabei, die Möglichkeiten zu sondieren, wie unsere jeweiligen Geschäftsaktivitäten in den wichtigsten Ländern Europas, Afrikas, des Nahen Ostens sowie Kanadas, Asiens und Lateinamerikas zusammengeführt werden können", erklärte Harald Wiedmann, Vorstandssprecher von KPMG in einer gemeinsamen Mitteilung der Unternehmen am Montag. Damit verhandeln zwei der weltweit größten Wirtschaftsprüfer über eine Fusion wichtiger Teile der Organisation. Hintergrund sei unter anderem die Klage des US-Justizministeriums gegen die Wirtschaftsprüfer von Arthur Andersen im Zusammenhang mit dem Konkurs des von ihnen betreuten Energiehändlers Enron, sagte eine Andersen-Sprecherin.

Beide Seiten treten nun in konkrete Verhandlungen ein mit dem Ziel, detaillierte Vereinbarungen zum geplanten Zusammenschluss zu treffen, teilten die Gesellschaften am Montag weiter mit. Vorgesehen sei, die jeweils wichtigsten nationalen Gesellschaften zusammenzuführen. Voraussetzung dafür sei die Zustimmung der jeweiligen Partnerschaften und der Kartellbehörden. Bis wann die Verhandlungen zu einem Abschluss kommen sollten, konnte eine Andersen-Sprecherin nicht sagen. Bei KPMG hieß es, es werde in den Ländern über einen Zusammenschluss verhandelt, in denen beide Organisationen vertreten seien.

In Presseberichten war zuvor bereits über inoffizielle Gespräche spekuliert worden. Darin hieß es, dass Alternativen für den Fall gesucht würden, dass eine globale Rettung des Wirtschaftsprüfers, etwa durch eine Übernahme durch KPMG, nicht möglich ist.

In Europa distanzieren sich Büros von den Vorgängen rund um die Enron-Betreuung. Ein Senior-Partner von Andersen erklärte der Financial Times: "Jeder bei Andersen versucht, das Netzwerk aufrecht zu erhalten. Aber wir wollen nicht in der Luft hängen, wenn die Dinge schief laufen." Konkurrenzunternehmen berichten, sie erhielten Anrufe von Andersen-Gesellschaften, von Teams als auch von Einzelanrufern.

In der Börsenzeitung hatte sich am Wochenende der Andersen-Chef von Deutschland, Österreich und der Schweiz, Christoph Groß, noch in Optimismus geübt. Zunächst verteidigte die Gesellschaft die amerikanische Mutter und zeigte sich "schockiert", dass die Anklage gegen das Unternehmen und nicht gegen einzelne verantwortliche Partner gerichtet sei. Die deutsche Landesgesellschaft sei - ebenso wie andere ausländische Landesgesellschaften - als gesellschaftsrechtlich unabhängige Organisation von den Vorgängen in den USA nicht betroffen, versucht Groß zu beschwichtigen.

Man habe bislang keine Mandate verloren, wird Groß weiter zitiert. Aus Mitarbeiterkreisen werden die massiven Wechselabsichten aber bestätigt. Neben der Unsicherheit über die Zukunft ohne Andersen sehen die Prüfer eine Einschränkung durch das Imageproblem, dass mit den fortschreitenden Anschuldigungen auf dem Unternehmen und damit Ihnen selbst lastet. Zudem berichtet die FT weiter, Groß habe von den deutschen Partnern ein Mandat erhalten, alle Verträge mit Andersen Worldwide, der Dachorganisation, zu beenden, sollte dies notwendig sein.

Klare Konsequenzen hat die spanische Andersen gezogen. Sie löste sich bereits am Freitag aus dem internationalen Verbund. Auch Partner der größten Rechtsanwaltskanzlei auf der Iberischen Halbinsel, Garrigues & Andersen, sollen eine Loslösung von Andersen Legal vorgeschlagen haben. Aldo Cardoso, Chef von Andersen Frankreich erklärte gegenüber der Zeitung "Les Echos", bislang wäre von französischer Seite keine Entscheidung zu einer Auflösung der Verträge gefallen. Andersen Italien distanzierte sich in einer Zeitungsanzeige von der Situation in den USA.

Quelle: ntv.de