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Suizid bei Senioren Angst vor dem Pflegeheim

Aus Angst, in Pflegeheimen schlecht behandelt zu werden, nehmen sich viele alte Menschen in Deutschland das Leben. Dies habe eine Untersuchung des Instituts für Rechtsmedizin an der Berliner Charit ergeben, berichtet das Nachrichtenmagazin "Focus ". Erstmals hätten Wissenschaftler in der Studie die Suizid-Motive deutscher Senioren im Alter zwischen 65 und 95 Jahren ergründet. Untersucht wurden 130 Fälle von Selbsttötung aus der Zeit von 1995 bis 2003.

In Abschiedsbriefen hätten fast alle Betroffenen direkt oder indirekt angegeben, sie wollten mit einem Suizid ihrer Heimeinweisung zuvorkommen. "Sie hatten befürchtet, entmündigt und entrechtet zu werden", zitiert "Focus" den Studienleiter Peter Klostermann. Die meisten litten unter Depressionen, Altersdemenz oder chronischen Schmerzen. Das "entscheidende Motiv" für die Selbsttötung sei jedoch "Angst vor absoluter Hilflosigkeit und unwürdigem Weiterleben" gewesen.

Die Berliner Studie lasse auf "hunderte ähnlich dramatische Fälle in ganz Deutschland" schließen, sagte Klostermann weiter. Im Jahr 2002 nahmen sich bundesweit 3.534 Menschen das Leben, die 65 Jahre und älter waren - knapp fünf Prozent mehr als 2001. Insgesamt starben 2002 laut Statistischem Bundesamt 11.000 Menschen durch Freitod. Unter Jugendlichen ist Selbstmord nach Angaben des Vereins "Hilfen für suizidgefährdete Jugendliche" einer der häufigsten Todesursachen.

Quelle: ntv.de