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Kleinanleger betroffen Argentinische Anleihen waren beliebt

Die Krise in Argentinien wird voraussichtlich auch viele deutsche Kleinanleger ärmer machen. "Argentinische Anleihen waren bei Kleinanlegern sehr beliebt, weil die Renditen so attraktiv waren", sagte Horst Schöneborn, Volkswirt bei der WestLB in Düsseldorf.

Allein in Euro und D-Mark seien argentinische Staatsanleihen mit einem Nominalwert von rund 20 Milliarden Euro im Umlauf, schätzen Finanzkreise. Die Banken ihrerseits hätten ihr Engagement schon vor Monaten zügig zurückgefahren, als sich die Krise in Argentinien zusammenbraute.

Die Zahlungsunfähigkeit des Landes bedeutet jedoch nicht, dass die Anleger ihre Anleihen in den Papierkorb werfen müssen - eine Abfindung ist sehr wahrscheinlich.

Argentinien macht derzeit die schwerste Finanz- und Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten durch. Das lateinamerikanische Land war am Donnerstag bei der Bedienung seiner Auslandsschulden von rund 141 Milliarden Dollar in Zahlungsverzug geraten.

Argentinien hatte bereits Ende Dezember offiziell die Zahlungen der Auslandsschulden ausgesetzt - der Verzug war daher nur noch eine Frage der Zeit gewesen. "Das Land wurde sehr lange sehr positiv beurteilt, einziger Wehrmutstropfen war allerdings schon immer die hohe Verschuldung", sagte Schöneborn.

Die Krise in Argentinien betrifft besonders viele Anleger in Europa, weil sich das Land zu einem großen Teil über ausländische Anleihen finanziert habe - Renditen von teilweise über 30 Prozent lockten risikofreudige Privatanleger an.

Auch Kleinanleger in anderen europäischen Ländern sind von der Krise betroffen, da zusätzlich zu den Papieren in Euro und D-Mark im Volumen von 20 Milliarden Euro auch beispielsweise Anleihen in italienischen Lira und spanischen Peseten im Umlauf sind. "Und das sind nur die Argentinien-Bonds, hinzu kommen noch Anleihen der einzelnen argentinischen Provinzen sowie Papiere von Staatsbetrieben", sagte ein Experte.

Alleine Buenos Aires sei mit rund zwei Milliarden Euro in D-Mark und Euro verschuldet. Genaue Details zum Verkauf der Anleihen an Kleinanleger sind bei den deutschen Großbanken kaum zu bekommen. Bei der Deutschen Bank hieß es: "Wir haben uns entschlossen, dieses Thema nicht zu kommentieren."

Wie viel die Kleinanleger für ihre Papiere noch bekommen werden, ist schwer abzuschätzen. "Wir haben mit einer Zahlungsunfähigkeit in diesem Ausmaß keine Erfahrung - sie ist die größte der Geschichte", sagte Schöneborn. Im günstigsten Fall müssen sie nur auf einen Teil ihrer Zinszahlungen verzichten. Wahrscheinlich sei jedoch auch ein Forderungsverzicht, bei dem die Investoren nur noch einen Teil des Nominalwertes zurückbekommen.

Quelle: n-tv.de