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Kandidat Balkan Arme und wohlhabendere Länder

Die Beitrittskandidaten aus dem Balkan sind sehr unterschiedlich. Den "reicheren" Ländern Slowakei und Slowenien stehen die beiden ärmeren Staaten Bulgarien und Rumänien gegenüber. Besonders Rumänien ist noch lange nicht "fit" für die EU und wird noch vom IWF unterstützt.

Slowenien

Aus dem ehemaligen Jugoslawien hat sich nur Slowenien bisher um eine Aufnahme in die EU bemüht. Das Pro-Kopf-Einkommen liegt mit 9900 Euro bei 69 Prozent des EU-Niveaus. Die Inflation ist mit 8,9 Prozent etwas zu hoch, die Arbeitslosigkeit mit sieben Prozent aber relativ niedrig. Das BIP wächst stetig, das Leistungsbilanzdefizit wurde verringert. Die EU empfiehlt aber, weitere Schlüsselsektoren zu privatisieren.

Die politischen Kriterien erfüllt das Land nach einer Justizreform. Grenzprobleme mit Kroatien sind gelöst. Die meisten der Institutionen für die Umsetzung des EU-Rechtes wurden in Slowenien bereits geschaffen. Noch fehlt ein Gesetz über den öffentlichen Dienst sowie eine Untersuchung darüber, wie sich die Polizei verhält, da es Berichte über Misshandlungen in Haft gibt.

Slowakei

Die Slowakei will seit 1995 der EU beitreten. Die 5,4 Mio. Einwohner erwirtschaften ein Pro-Kopf-Einkommen von 3900 Euro - 48 Prozent des EU-Niveaus. Die Inflation ist mit über zwölf Prozent noch relativ hoch, die Arbeitslosigkeit mit 18,6 Prozent auch über EU-Niveau. Die Privatisierung des Banksektor ist geglückt.

Der Slowakei werden Fortschritte bei der Vorbereitung der Privatisierung der staatlichen Infrastrukturunternehmen und Transportunternehmen bescheinigt. Erst mittelfristig ist das Land wirtschaftlich EU-fit. Das Leistungsbilanzdefizit ist hoch, Sorge bereiteten vor allem die Steigerung der Arbeitslosigkeit und strukturelle Schwächen in der Landwirtschaft.

Bulgarien

Bulgarien hat wie Rumänien 1995 einen Antrag gestellt. Das Land gehört aber zu den ärmeren Beitrittskandidaten. Mit einem Pro-Kopf-Einkommen von 1600 Euro liegt das Land bei 24 Prozent des EU-Niveaus. Die Inflation ist mit über 10 Prozent aber im Vergleich zu Rumänien nicht sehr hoch. Der Anteil der in der Landwirtschaft Beschäftigten ist mit 9 Prozent noch relativ hoch. Sorge bereitet der Energiesektor: Stilllegungszusagen von Kernkraftwerken gibt es, die Sicherheit in den noch vorhandenen Reaktoren muss verbessert werden.

Rumänien

1,2 Mrd. Euro hat das Land aus den Töpfen der EU zwischen 1992 und 1999 erhalten, 2000 und 2001 sind noch einmal 500 Mio. Euro geflossen. Rumänien wird erst langfristig wirtschaftlich EU-fit sein: Die Inflation ist hoch. Das Leistungsbilanzdefizit wächst, die Gesamtwirtschaft ist instabil. Die Umstrukturierung des Agrarsektors hat gerade begonnen. Noch 45 Prozent der Rumänen sind in der Landwirtschaft beschäftigt. So besteht noch ein erheblicher wirtschaftlicher Reformbedarf.

Quelle: n-tv.de

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