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Migrantin und allein erziehend Armut in Deutschland

Nach dem 2. Armutsbericht der Bundesregierung hat sich der Anteil der unter der Armutsgrenze lebenden Menschen von 12,1 Prozent im Jahr 1998 - dem Jahr des Amtsantritts der rot-grünen Bundesregierung - auf 13,5 Prozent im Jahr 2003 erhöht. Grundlage der Berechnungen bildet die folgende EU-Armutsdefinition: Als arm gilt, wer weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens der vergleichbaren Haushalte hat. Das mittlere Einkommen lag im Jahr 2002 in den alten Bundesländern bei 1.217 Euro, in den neuen bei 1.008 Euro. Wer nur etwa 730 Euro beziehungsweise 605 Euro zur Verfügung hat, gilt als arm.

Wer ist betroffen?

In Armut abzurutschen droht vor allem allein Erziehenden. Ein Drittel von ihnen hat monatlich weniger als 1.300 Euro zur Verfügung. Dagegen zählen Paare mit Kindern deutlich häufiger zu den Haushalten mit mittleren und höheren Einkommen. Eine Partnerschaft scheint das Armutsrisiko deutlich zu senken. Während bei Familien mit zwei Kindern das Armutsrisiko bei 9,3 Prozent liegt, fällt die Quote bei allein Erziehenden mit 35,4 deutlich höher aus. Die Zahlen überraschen nicht, kann doch eine Lebensgemeinschaft Einkommenserwerb und Kindererziehung gemeinsam bewältigen.

In besonderem Maße von Armut bedroht sind nach dem aktuellen Bericht der Bundesregierung Migranten in Deutschland. Das Armutsrisiko von Zuwanderern ist zwischen 1998 und 2003 von 19,6 auf 24 Prozent gestiegen. Es liegt somit deutlich höher als die Risikoquote für die deutsche Gesamtbevölkerung.

Zuwanderer türkischer Herkunft und aus dem ehemaligen jugoslawischen Republiken sind am stärksten von Armut betroffen. Ärmliche Lebensverhältnisse sind oft mit Verweildauer und gesellschaftlicher Integration verbunden. Länger in Deutschland lebende Migranten sind häufiger in den höheren Einkommensschichten zu finden als Neuankömmlinge. "Ebenso sind Personen, die in binationalen Haushalten leben" - so ist im zweiten Armutsbericht der Bundesregierung nachzulesen - "weniger von Armut betroffen als Migrantenhaushalte".

Fazit des Berichts

Die Jüngeren, die Älteren und die Frauen unter den Zuwanderern in Deutschland sind am stärksten von Armut betroffen. 2003 lebten 34 Prozent der zur "zweiten Generation" gehörenden Personen unter der Armutsgrenze. Dies ist zweimal mehr als bei den Gleichaltrigen aus den übrigen Haushalten.

Quelle: ntv.de