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Discounter machen mobil Aufruhr in der Handybranche

Der deutsche Mobilfunkmarkt steht vor einem weiteren Preissturz: Die Lebensmitteldiscouter Aldi, Lidl und Plus drängen auf den deutschen Mobilfunkmarkt. Auch wenn sich die vier Netzbetreiber den Händlern nach ersten Gesprächen eine Abfuhr erteilten, sind sich Experten sicher: "Bald werden wir billige Handy-Verträge bei Aldi, Plus oder Lidl sehen".

Knackpunkt der Verhandlungen ist der Preis. Die Discounter wollen laut Angaben aus Branchenkreisen einen Minutenpreis von unter zehn Cent je Gesprächsminute erreichen und damit das allgemeine Marktniveau um die Hälfte unterbieten. Zudem soll die Tarifstruktur so simpel wie bei Simyo sein. Bei der E-Plus-Tochter kostet die Gesprächsminute 19 Cent in alle Netze.

Während T-Mobile , E-Plus und O2 sich bedeckt halten, weist Vodafone die Annäherung der Lebensmittelhändler offen zurück: "Wir sehen derzeit keinen Bedarf für ein Discounter-Angebot", sagt Vodafone-Sprecher Jens Kürten.

Einbußen für die Großen

Alle vier Netzbetreiber fürchten den Einstieg der Handelsketten in das Mobilfunkgeschäft: Denn was für die Verbraucher ein großer Vorteil wäre, kommt die Mobilfunker teuer zu stehen. Gespräche in andere Mobilfunknetze kosten den Mobilfunkbetreibern derzeit zwischen 13,2 und 14,9 Cent je Minute. Telefoniert ein Kunde mit einem Minutenpreis von unter zehn Cent also in fremde Mobilfunknetze, dann macht der mit dem Discounter kooperierende Netzbetreiber fortlaufend Verluste.

Diese so genannten Terminierungsgebühren werden Mitte Dezember auf elf Cent fallen und die Regulierungsbehörde will die Entgelte künftig noch weiter absenken. Mit sinkenden Terminierungsentgelten wird ein Einstieg von Aldi & Co wahrscheinlicher.

Attraktiv sei eine Zusammenarbeit vor allem für die kleineren Anbieter O2 und E-Plus, die dadurch ihre Kundenzahl kräftig in die Höhe schrauben könnten, sagt ein Branchenkenner. Welche Sogwirkung eine Kooperation mit einem starken Vertriebspartner haben kann, zeigt das Beispiel O2/Tchibo. O2 sammelte über das Filialnetz des Kaffeerösters innerhalb weniger Monate 435.000 Kunden ein. "Bei Aldi oder Lidl wäre die Wirkung wohl noch viel größer."

Mobilfunk boomt immer noch

Branchenexperten erwarten daher, dass entweder E-Plus oder O2 dem Drängen der Handelsketten nachgeben werden. "Der Preis könnte dann auch über zehn Cent je Minute liegen", sagt der Branchenkenner. Die Kooperation müsse sich rechnen, Verluste würde keines der Unternehmen akzeptieren. Trotz des Preissturzes bleiben die deutschen Mobilfunker auf dem Wachstumspfad: Bis zum Ende der Dekade werde der Umsatz der Branche auf 28 Mrd. Euro kräftig anschwellen, sagt Philipp Geiger, Telekomanalyst der Unternehmensberatung Solon.

Die sinkenden Preise müssen nicht zum Nachteil der Mobilfunkfirmen sein: "Unsere Erfahrung ist, dass wenn wir die Preise für die richtige Kundengruppe senken, wir auf der anderen Seite die Nutzung steigern können", sagt Philipp Humm, Chef von T-Mobile Deutschland. Die Kunden würden bei günstigen Preisen verstärkt zum Handy greifen, statt zum herkömmlichen Festnetz-Telefon.

Martin Murphy, dpa

Quelle: ntv.de