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Risiko USA-Geschäft BMW fährt noch gegen den Trend

Die Zahlen der bayrischen Autobauer erfreuten die Börsianer. Das Ergebnis lag über den Erwartungen und daraus resultierte ein deutlicher Kurssprung. Noch können die Münchner dem Abwärtstrend in der Branche trotzen. In den ersten neun Monaten ging der Absatz von Neufahrzeugen in Europa um 0,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurück. Entscheidend für die exportorientierten Bayern ist aber die Entwicklung auf dem wichtigen Markt USA und da läuft zumindest im Augenblick noch gut.

Glaubt man den Prognosen, so stehen der Autoindustrie schwere Zeiten bevor. In konjunkturschwachen Zeiten sitzt der Geldbeutel nicht mehr so locker. Es wird weniger gekauft und die Anschaffung eines neuen Autos eher verschoben.

In den USA ist dieser Zusammenhang eindeutig. Fällt das Verbrauchervertrauen, der Indikator, der die Konsumfreudigkeit der Amerikaner anzeigt, dann werden auch weniger Autos verkauft. Auch in Europa lässt sich ein ähnlicher Zusammenhang nachweisen. Nach dem Golfkrieg etwa ist das Verbrauchervertrauen und infolgedessen die Konjunktur USA und in allen wichtigen Industrieländern stark eingebrochen. Der Autoabsatz ging stark zurück.

Die Analysten der Credit Suisse First Boston (CSFB) prognostizieren jetzt einen ähnlichen Einbruch der Autoverkäufe in den USA infolge des stark gesunkenen Verbrauchervertrauens. Nach den Anschlägen im September ist das Konsumentenvertrauen in Amerika noch einmal zurückgegangen. In Europa wird diese Entwicklung leicht zeitverzögert jetzt ab November einsetzen. Etwas milder könne der Konjunkturabschwung und der Absatzrückgang in der KFZ-Branche ausfallen, wenn der Ölpreis weiter stabil bleibe, heisst es in einer CSFB-Studie, die nach dem 11. September erstellt wurde.

Insgesamt gehen die CSFB-Analysten von einem Rückgang von fünf bis zehn Prozent in Europa und den USA im kommenden Jahr aus. Davon besonders betroffen sein werden laut CSFB die Hersteller von Massenautos (wie VW oder Fiat) und diejenigen Hersteller mit einem hohen Exportanteil in den USA (wie auch BMW) . Rund ein Viertel der Modelle verkauft BMW in den USA. Etwa 40 Prozent Ergebnisanteil wird dem USA-Geschäft zugerechnet.

Von einem Rückgang ist bisher noch nichts zu spüren: die US-Verkäufe der bayrischen Marke lagen im dritten Quartal im Plus, im Oktober gab es laut BMW noch einmal einen Anstieg um 17 Prozent. BMW geht demnach unverändert von einem Absatzplus von 10 Prozent im Gesamtjahr aus und will bis Ende Dezember 2001 rund 200.000 Autos in den USA verkauft haben.

Prognosen für das kommende Jahr geben die Autohersteller derzeit noch nicht ab. Beim Verband der Automobilhersteller (VDA) ist man noch vorsichtig und will erst die Oktoberzahlen für das kommende Jahr abwarten. Zu groß sind die Fragezeichen hinter der konjunkturellen Entwicklung.

Trotz der guten Entwicklung im dritten Quartal sind die Analysten auch bei BMW für 2002 skeptisch. Die unsicheren Aussichten und die zu erwarteten hohen Kosten bei der geplanten Modelloffensive dürften nach der Einschätzung der Landesbank Baden Württemberg auf den Ertrag drücken. Auch bei der Hypovereinsbank ist man der Ansicht, dass die Risiken im Hinblick auf die künftige Absatzentwicklung bleiben.

Quelle: ntv.de