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EU durchsucht wieder Bayer unter Verdacht

Der Chemie- und Pharmakonzern Bayer ist erneut im Fadenkreuz von Ermittlern der EU. Wegen möglicher illegaler Preisabsprachen bei Kautschukchemikalien haben Beamte aus Brüssel am Donnerstag Büros der Konzern- Zentrale in Leverkusen durchsucht. Ausgelöst wurden die Untersuchungen möglicherweise durch einen Tipp aus den USA.

Die US-Firma Crompton Corp. hat eigenen Angaben zufolge von der EU eine Zusage auf Amnestie erhalten. Diese wiederum wird nach Angaben einer EU-Sprecherin dann zugesichert, nachdem den Ermittlern "klare Beweise" für Preis- oder andere Absprachen geliefert worden sind.

Bereits Ende September war es bei Bayer zu Durchsuchungen von Ermittlungsbeamten gekommen. Anders als damals wurde nach Angaben eines Bayer-Sprechers bei der jetzigen Untersuchung nach Informationen über die im Automobilbereich etwa für Abdichtungen eingesetzte Kautschukchemikalie EPDM gesucht. Bei den Untersuchungen im September sei es um Kautschukchemikalien gegangen, die in der Reifenherstellung zum Einsatz kommen. Bayer erwirtschaftet mit EPDM einen Umsatz von rund 150 Mio. Euro.

Auch die niederländische DSM bekam Besuch von Ermittlungsbeamten der EU. Ein Sprecher des Unternehmens sagte, EU-Beamte hätten am Donnerstag eine zweitägige Untersuchung eingeleitet. Sowohl DSM als auch Bayer kooperieren nach eigenen Angaben mit den Behörden.

Das US-Unternehmen Crompton Corp. hatte ebenfalls Durchsuchungen durch die Wettbewerbsbehörden bestätigt, aber schon am Donnerstag mitgeteilt, hinsichtlich möglicher Konsequenzen aus den Ermittlungen sei aus Brüssel eine Straffreiheit zugesagt worden. Die Zusage wurde den Angaben zufolge von der Zusammenarbeit des Unternehmens mit den Ermittlern in Europa und den USA abhängig gemacht.

Sollten die Ermittler bei ihren Durchsuchungen bei Bayer und DSM fündig werden und sich der Verdacht auf Preisabsprachen bestätigen, dann müssen beide Konzerne mit empfindlichen Geldstrafen rechnen. Die Obergrenze hierfür liegt bei zehn Prozent des Jahresumsatzes der Sünder, ausgeschöpft wurde dieser Spielraum von den Brüsseler Wettbewerbshütern bislang aber noch nicht.

Quelle: ntv.de