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Geht das denn? Beastie-Boys-Gala

Seit mehr als einem Vierteljahrhundert im Pop-Geschäft und doch immer wieder für eine Überraschung gut: Die New Yorker Beastie Boys haben am Mittwochabend mit einem abwechslungsreichen Konzert ihr Berliner Publikum zum Schwitzen gebracht.

Rund 3000 Fans waren in die nicht ganz ausverkaufte Columbiahalle gekommen, nachdem die Rap-Pioniere zu einem "Gala Event" mit "Instrumental Show" geladen hatten. Das an diesem Freitag erscheinende neue Album von Mike D, MCA und Adrock "The Mix-Up" kommt ganz ohne Gesang aus. Bei der Show aber mussten die Fans entgegen der Ankündigung nicht auf Reim und Sprachwitz verzichten.

Die "biestigen Buben", die in den 80ern mit Songs wie "Fight For Your Right" erste Erfolge feierten, hatten sich einiges vorgenommen: "Wir versuchen heute Abend etwas anderes", erklärte Adrock dem Publikum. So präsentierte sich die Band zum Beispiel in ungewohnt schickem Outfit. Der gemütliche Schlabberlook scheint pass, in Anzügen, mit Krawatten und Sonnenbrillen erinnerten die Beastie Boys eher an die Blues Brothers.

Mike D. am Schlagzeug, MCA am Bass und Adrock an der Gitarre boten zudem einen äußerst bunten Stil-Mix. Mit entspannten Beats und Grooves entführte die Band in Jazz-und Funk-Gefilde, um im nächsten Moment mit hartem Gitarrensound Fans zu wilden Tanzorgien zu verleiten und auf die Ursprünge der Beastie Boys im Punk zu verweisen. Neben entspannten Instrumentalstücken, auch vom neuen Album, waren Hits wie "So What 'Cha Want" zu hören.

Adam Horovitz, Michael Diamond und Adam Yauch - so die bürgerlichen Namen des Trios - wurden von DJ Mix Master Mike, Keyboarder Money Mark und Trommler Alfredo Ortiz tatkräftig unterstützt und hatten sichtlich Spaß daran, das Publikum mit kryptischen Ansagen zu verwirren. Etwas mehr Eleganz hätten sich die herausgeputzten Boys für diesen "Gala Event" wohl von den leger gekleideten Berlinern gewünscht. So lobte Adrock einen Fan für seine "schöne Fliege".

Dass die mittlerweile grau melierten Beastie Boys - alle Anfang 40 - den letzten Song "Sabotage" mit einem Augenzwinkern dem US-Präsidenten George W. Bush widmeten, passte zu dem skurrilen Abend. Genauso wie die Verabschiedung, die noch einmal unterstrich, dass die Party-Hopper von einst allmählich erwachsen werden. Statt wie bei früheren Konzerten mit Bier um sich zu spritzen, stießen die sechs Musiker, die am Samstag zu einem weiteren Konzert in Köln erwartet werden, mit Sekt auf das Berliner Publikum an.

Von Matthias von Viereck, dpa

Quelle: n-tv.de