Archiv

Letztes Lichtenhagen-Urteil Bewährungsstrafen für Mordversuch

Zwölf bis 18 Monate auf Bewährung. So lautet das Urteil im letzten Prozess um den Anschlag auf das Ausländerheim in Rostock-Lichtenhagen.

Zehn Jahre nach den ausländerfeindlichen Krawallen sprach das Landgericht Schwerin die drei Angeklagten des versuchten Mordes und der schweren Brandstiftung schuldig. Die heute 27 bis 29 Jahre alten Männer sollen während der Ausschreitungen im Rostocker Neubaubezirk Lichtenhagen im August 1992 - unter dem Beifall tausender Schaulustiger - Brandflaschen auf die Asylbewerberunterkunft geworfen zu haben. 100 vietnamesische Bewohner des Hauses und der Rostocker Ausländerbeauftragte Wolfgang Richter hatten sich nur durch die Flucht aufs Dach vor den Flammen in Sicherheit bringen können.

Mit dem Strafmaß folgten die Richter weitgehend den Forderungen der Staatsanwaltschaft. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, weil die Verteidigung Revision angekündigt hat. Sie hatte auf Freispruch plädiert.

"Günstige Sozialprognose"

Die drei Angeklagten hätten "jeder mindestens einen Brandsatz Richtung Heim geworfen", sagte der Vorsitzende Richter in der Urteilsbegründung. Doch hätten sie nicht zu den Haupttätern unter den rund 400 Angreifern gehört. Sie seien als einzige Täter von Lichtenhagen aber wegen Mordversuchs angeklagt worden, weil der Bundesgerichtshof 1994 die Rechtsprechung für fremdenfeindliche Brandanschläge verschärfte.

Alle drei Männer seien zwar auch nach Lichtenhagen mehrfach straffällig geworden. Doch sehe das Gericht heute für alle drei eine "günstige Sozialprognose".

In früheren Prozessen waren mehr als 40 Angreifer verurteilt worden; nur drei mussten Haftstrafen absitzen.

Staatsanwalt Thorsten Kopf sagte nach der Urteilsverkündung, das Urteil gehe "in Ordnung". Auch die beiden Nebenkläger zeigten sich zufrieden. "Uns war wichtig, dass der Schuldspruch so präzise auf Mordversuch lautete", sagte Wolfgang Richter.

Quelle: n-tv.de