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Missbrauchsfälle Bischöfe beraten

Die katholischen Bischöfe beraten heute in Fulda ihre Konferenz über den künftigen Umgang mit Fällen sexuellen Missbrauchs in der Kirche. Die kirchlichen Würdenträger wollen eine Erklärung zu diesem Thema abgeben und Leitlinien für die 27 deutschen Diözesen verabschieden. Strittig scheint bislang noch zu sein, wo die Anlaufstellen für Missbrauchsopfer angesiedelt werden sollen. Am Freitag wird der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, die Ergebnisse bekannt geben.

Opfersicht aneignen

Zu Beginn der Herbstvollversammlung am Montag hatte Lehmann deutlich gemacht, dass die Missbrauchsfälle der Kirche "gewaltig geschadet" hätten. Die Kirche habe eine Wächterfunktion, es sei deswegen in höchstem Maße schädlich, wenn gegen eigene Normen verstoßen werde, sagte er. Die Kirche werde die Auseinandersetzung mit sexuellem Missbrauch "todernst nehmen", aber sich keine überzogenen "Skandalausmaße aufdrängen" lassen, sagte Lehmann.

Den Bischöfe lag ein sechsseitiges Papier vor, das von einer im Juni eingesetzten Arbeitsgruppe erarbeitet wurde. Dabei sollte der "Opferperspektive" höhere Priorität eingeräumt werden, sagte Lehmann. Dazu gehöre auch die Frage der Wiedergutmachung.

Erstarrte Kirche

Der Kölner Kardinal Joachim Meisner hatte die katholischen Kirchengremien gestern scharf kritisiert. In einer Predigt zur Herbstvollversammlung im Fuldaer Dom warnte er, dass die Kirche vor lauter "Strukturen, Statuten, Sekretariaten und Kommissionen" zu einer reinen Organisation zu erstarren drohe. Einige Apparate seien so mächtig geworden, dass sich selbst die Bischöfe machtlos vorkämen. Indirekt kritisierte Meisner auch das Wirken von Laien in der Kirche.

Quelle: ntv.de