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Montag, 25. März 2002

Energieschub am Neuen Markt: Börsenneuling REpower

Die REpower Systems AG soll frischen Wind in den Neuen Markt bringen. Der Windenergiespezialist aus Hamburg hat am Dienstag als erstes Unternehmen seit neun Monaten den Gang an das eher schrumpfende Wachstumssegment gewagt. Die Aktien von REpower wurden für 41,00 Euro ausgegeben. Damit liegt der Ausgabekurs für die zwei Mio. Papiere in der Mitte der Ausgabespanne von 38 bis 45 Euro. Die Emission war fünffach überzeichnet. Die erste Notierung am Dienstagmorgen lautete auf 42,00 Euro.

REpower Finanzvorstand Jens-Peter Stöhr geht davon aus, dass die Nachfrage bei voll ausgereizter Preisspanne immer noch ein Mehrfaches höher gewesen wäre. Der niedrigere Ausgabepreis sollte jedoch für eine breite Streuung der Aktie sorgen und so die Basis für Kursgewinne schaffen, so Stöhr. Besonders bei institutionellen Investoren aus dem In- und Ausland stieß die Neuemission auf Interesse. Privatanleger hingegen hielten sich wie erwartet zurück.

Falls der Kurs nicht sofort wieder abstürzt, versprechen sich Händler, Fondsmanager und Analysten nach dem REpower-Börsengang wieder wachsendes Interesse von Anlegern am Neuen Markt. Norbert Allnoch, Leiter des Internationalen Wirtschaftsforums Regenerative Energien (IWR): "Wir sehen in dem erfolgreichen Börsengang der REpower Systems AG eine weitere Stärkung der jungen Branche und eine wichtige industriewirtschaftliche Signalwirkung."

Rauer Wind für die Konkurrenz

Deutlich schwarze Zahlen und ein erfahrenes Management lassen auf einen guten Börsenstart hoffen. Im vergangenen Jahr konnte das Unternehmen bei einem Umsatz von 141,6 Millionen Euro (Vorjahr: 76,0 Millionen Euro) seinen Gewinn von 4,8 auf neun Millionen Euro steigern.

REpower - 2001 aus der Fusion vom vier Firmen entstanden ist - beschäftigt aktuell 270 Mitarbeiter. Der Windenergiespezialist ist mit Tochtergesellschaften in Griechenland, Frankreich und Spanien auch international vertreten. Abzüglich der Emissionskosten soll der Börsengang etwa 82 Mio. Euro in die Unternehmens-Kasse bringen. Auf der Basis des jetzt bekanntgegebenen Ausgabekurses würde REpower eine Marktkapitalisierung von über 200 Mio. Euro erreichen. Das größte Windkraft-Unternehmen am Neuen Markt - Nordex – bringt im Vergleich dazu 344 Mio. Euro auf die Waage.

Anders als Nordex setzt REpower nicht nur auf die Eigenproduktion, sondern auch auf die Lizenzvergabe. So gehört zu den Lizenznehmern des 1,5 Megawatt REpower-Windanlage auch Nordex. Insgesamt hat REpower bisher weltweit 650 Windräder mit einer Gesamtleistung von 450 Megawatt installiert. Andere Konkurrenten am Neuen Markt sind Energiekontor, Umweltkontor und P&T Technologie.

Vorstandschef ist alter Hase

Mit Fritz Vahrenholt hat das Windenergie-Unternehmen einen Vorstandschef verpflichtet, der sich schon als SPD-Politiker und Manager des Öl-Multis Shell einen Namen gemacht hat. Er gilt als Mann mit Wirtschafts- und Umweltkompetenz. Vor siebzehn Jahren etwa hatte er als Staatsrat der Hamburger Umweltbehörde die Schließung einer Kupferhütte nach einem Umweltskandal verhindert. Stattdessen forderte er, den Arsenausstoß zu halbieren. Heute ist die Norddeutsche Affinerie eine der umweltfreundlichsten Kupferhütten der Welt.

Von 1991 bis 1997 war Vahrenholt Umweltsenator von Hamburg. Im darauffolgenden Jahr stellte ihn die Deutsche Shell AG als Vorstand für Chemie, regenerative Energien und Umweltschutz ein. In dieser Position legte er in Gelsenkirchen den Grundstein für eine der größten und modernsten Solarfabriken in Europa. Im April 2001 wechselte er an die Spitze von REpower. Neben seinem Chefposten hier ist er auch Berater von Bundeskanzler Schröder und Vize-Aufsichtsrat beim Fußballverein HSV.

Quelle: n-tv.de