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Kein Sex - kein Streit! Borer vor Einigung

Im Streit zwischen dem früheren Schweizer Botschafter Thomas Borer-Fielding und dem Züricher Ringier-Verlag um Schadenersatzzahlungen zeichnet sich nach Angaben der Berliner Zeitung „Der Tagesspiegel“ eine außergerichtliche Einigung ab.

Beide Seiten hätten am Samstag vereinbart, dass sich deshalb keine Seite mehr negativ über die andere äußert, schreibt der „Tagesspiegel“ unter Berufung auf zuverlässige Quellen.

Borer hatte nach der Affäre um Berichte in den Ringier-Blättern „Blick“ und „Sonntags-Blick“ über eine angebliche Beziehung Borers zu dem Nacktmodel Djamile Rowe eine Schadenersatzklage vor einem US-Gericht vorbereitet.

Dabei sollte es um eine Entschädigungszahlung in Millionenhöhe gehen. Borers Ehefrau Shawne ist Bürgerin der USA. Sie hatte während der Affäre eine Fehlgeburt erlitten.

Der 44-jährige Borer hatte vor zweieinhalb Monaten den Diplomatenberuf aufgegeben, nachdem ihn der Schweizer Außenminister Joseph Deiss in die Zentrale nach Bern zurückbeordern wollte.

Ringier-Stellungnahme

Der stellvertretende Ringier-Konzernleiteter Martin Werfeli räumte ein, dass man heute "die Geschichte nicht mehr machen" würde. Es sei aber nicht so, dass Ringier auf Grund des Rücktritts von Nolte, nun der Meinung wäre, die ganze Geschichte stimme nicht.

"SonntagsBlick" und "Blick" hatten vor drei Monaten über eine angebliche Sex-Affäre von Borer mit dem Berliner Nacktmodell Djamile Rowe berichtet. In einer zweiten Eidesstattlichen Versicherung vor einer Woche hatte Rowe jedoch erklärt, sie habe nie Sex mit Borer gehabt. Zuvor hatte sie - ebenfalls eidestattlich - das Gegenteil behauptet.

Reaktionen aus der Schweiz

Für Schweizer Kommentatoren ist damit die Angelegenheit noch nicht vom Tisch. Es werden massive Vorwürfe gegen die drei deutschen Boulevardjournalisten beim "SonntagsBlick" Nolte, Würzbach und deren Ehemann Ralph Grosse-Bley erhoben.

Die "Neue Zürcher Zeitung" schreibt zu Äußerungen von Verleger Michel Ringier, man hole Leute aus dem deutschsprachigen Raum, um in der Schweiz die besseren Zeitungen und Zeitschriften zu machen: "Das fehlbare deutsche Trio, das Journalismus mit einem Roulette verwechselte, gab der hiesigen Öffentlichkeit eine bittere Kostprobe." Mit einer Vergangenheitsbewältigung auf Raten könnten sich die Verantwortlichen bei Ringier jetzt nicht aus der Schlinge ziehen.

"Neue Ära des Journalismus"

Die "Basler Zeitung" schreibt: "Mit der doppelten Entlassung gesteht der Ringier-Verlag indirekt ein, dass die Kampagne gegen Borer nicht nur gegen den guten Geschmack verstoßen hat, sondern journalistisch mit nicht zu rechtfertigenden Konstrukten und Tricks geführt wurde."

Die "Berner Zeitung": "Glück in der ganzen Angelegenheit haben vorerst all jene, welche befürchteten, mit der Affäre Borer habe eine neue Ära im Journalismus begonnen, eine Ära, in welcher man nicht mehr glauben könne, was man lese."

Quelle: n-tv.de

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