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Abschied in schwierigen Zeiten Breuer geht, Ackermann kommt

Die Deutsche Bank will nach Worten ihres scheidenden Vorstandschefs Rolf-E. Breuer ihre Kosten weiter senken und gleichzeitig die Effizienz steigern. Dabei müsse die Möglichkeit einer branchenübergreifenden Kooperation von Privatbanken, Sparkassen und genossenschaftlichen Instituten überdacht werden, erklärte Breuer anlässlich der Hauptversammlung. Als besondere Schwächen des Instituts machte der 64-Jährige zu hohe Kosten, mangelnde Profitabilität und Marktkapitalisierung sowie die unausgewogene Ergebnisstruktur aus. Unzufrieden zeigte sich der scheidende Konzernchef vor allem mit den Geschäftsbereichen Private Kunden und Vermögensverwaltung (PCAM).

Mit Applaus quittierten Aktionäre die Ankündigung Breuers, dass die Deutsche Bank ihren Firmensitz nicht ins Ausland verlegen wird. Die Bank sei auf die erreichte Internationalität ebenso stolz wie auf die starke Verankerung im einheimischen Markt. Der Standort in der größten Volkswirtschaft Europas sei ein deutlicher Wettbewerbsvorteil, so Breuer weiter.

Breuer übergibt heute den Staffelstab an Joseph Ackermann, der künftig als Vorstandsvorsitzender die Geschäfte der Bank leiten wird. Breuer bleibt dem Institut jedoch verbunden. Er übernimmt den Aufsichtsratsvorsitz von Hilmar Kopper, der sein Amt niederlegt. Der scheidende Vorstandschef ist bereits seit 35 Jahren bei der Deutschen Bank tätig. Davon verbrachte er 17 Jahre im Vorstand und fünf Jahre als Vorstandssprecher.

Aktionärsvertreter stellten Breuer zum Ende seiner fünfjährigen Amtszeit ein insgesamt gutes Zeugnis aus, es gebe jedoch auch Baustellen. Breuer musste sich gegen Vorwürfe wehren, strategische Fehler gemacht zu haben.

Der Vertreter der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SKD) kritisierte den "brutalen Ergebniseinbruch" 2001: "Sie haben die vor einem Jahr selbst gesteckten Ergebnisziele völlig verfehlt." Auch die strategische Neuaufstellung der Bank und die neue Führungsstruktur fand nicht bei allen Aktionären Zustimmung. Dies spiegele sich in der Börsenbewertung wider.

IT-Sparte wird abgespeckt

Breuer präsentiert den Aktionären zum Abschied erste Erfolge des Kostensenkungsprogramms. Dabei wird der 64-Jährige weitere Stellenstreichungen bekannt geben. Rund 600 IT-Spezialisten aus dem Bereich Global Technologies & Operations der Investmentbanksparte CIB müssen ihren Hut nehmen. Das berichtet das „Handelsblatt“ (Mittwochsausgabe). Davon sei die asiatische Region mit 130 Stellen betroffen, die restlichen Arbeitsplätze würden an den Standorten New York und London entfallen. Damit setzt die Deutsche Bank die Vorgaben Breuers um. Die Sparpläne haben bis Ende 2003 ein Volumen von rund zwei Mrd. Euro. Insgesamt 9.200 Mitarbeiter werden ihren Arbeitsplatz verlieren. Wie das „Handelsblatt“ weiter berichtet, stehen auch in Kontinentaleuropa, vor allem in Deutschland, Veränderungen im IT-Bereich an. Vorstandsmitglied Hermann-Josef Lamberti erhoffe sich dadurch Einsparungen von 1,2 Mrd. Euro in den kommenden zehn Jahren.

Quelle: ntv.de