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DIW senkt Schätzung Clement: Prognosen "waghalsig"

Ungeachtet der aktuellen Schätzungen führender deutscher Wirtschaftsinstitute hält die Bundesregierung an ihrer Konjunkturprognose fest. „Die Bundesregierung hat die Prognose 1,5 Prozent. Die gilt“, erklärte Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement am Rande der SPD-Vorstandsklausurtagung in Wiesbaden. Er verwies im Hinblick auf die angespannte Lage im Irak-Konflikt darauf, dass derzeit alle Vorhersagen sehr waghalsig seien. Deshalb rate er zur Zurückhaltung bei der Korrektur von Wachstumsprognosen.

Zuvor hatte das Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) die deutsche Wachstumsprognose für das laufende Jahr von 0,9 auf 0,6 Prozent gesenkt. Auch für 2004 werde lediglich von einem Zuwachs des Bruttoinlandsproduktes (BIP) um höchstens ein Prozent ausgegangen, teilte das DIW in Berlin mit.

Die Forscher begründeten ihre negative Einschätzung mit der schwachen Konjunktur und der schleppenden Erholung der Weltwirtschaft. Gleichzeitig riefen die DIW-Experten die Europäische Zentralbank (EZB) zu einer Senkung der Leitzinsen auf, um der Gefahr einer Deflation in Deutschland frühzeitig zu begegnen. Erwartet werde im ersten Quartal 2003 eine erste Leitzinssenkung.

Die Wirtschaftsforscher kritisierten vor allem die Steuer- und Abgabenpolitik der Bundesregierung mit ihren Folgen für die schwache Binnenkonjunktur. Steuererhöhungen und spürbare Anhebungen der Beitragssätze zu den Sozialversicherungen führten dazu, dass die verfügbaren Einkommen trotz der jüngsten Lohnerhöhungen kaum steigen würden.

Auch die Prognose für den Arbeitsmarkt ist alles andere als rosig. Die Arbeitslosigkeit wird nach Einschätzung der Experten weiter steigen, wenn auch langsamer als im vergangenen Jahr. Im Jahresdurchschnitt werde mit 4,2 Millionen Erwerbslosen gerechnet.

Etwas über der DIW-Prognose liegt das Hamburger Weltwirtschaftsarchiv (HWWA), das seine Wachstumsprognose von 0,7 Prozent für 2003 am Dienstag bekräftigt hat. „Wir bleiben bei unseren prognostizierten 0,7 Prozent Wachstum für 2003, auch wenn andere von mehr ausgehen“, erklärte Eckhardt Wohlers, Leiter der HWWA-Abteilung Internationale Makroökonomie.

Quelle: ntv.de