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66 Mrd. Dollar Comcast bietet für Walt Disney

Der größte US-Kabelfernseh-Betreiber Comcast will den heimischen Unterhaltungskonzern Walt Disney für 66 Mrd. US-Dollar einschließlich Schulden in Höhe von 11,9 Mrd. übernehmen. Bei einer erfolgreichen Übernahme würde Comcast zu einem der weltgrößten Medienkonzerne aufsteigen.

Comcast teilte am Mittwoch vor Börsenbeginn völlig überraschend mit, die Offerte werde nun bekannt gemacht, nachdem Disney-Chef Michael Eisner Gespräche darüber abgelehnt habe. Zum Disney-Konzern gehören die gleichnamigen Filmstudios, der Fernsehsender ABC, der Sportkanal ESPN und die Disney-Freizeitparks. Comcast zählt 21 Millionen Kabel-TV-Kunden.

Comcast bietet eigenen Angaben zufolge 0,78 eigene Aktien für jedes Disney-Papier. Das Angebot entspricht einem zehnprozentigen Preisaufschlag auf den Schlusskurs der Disney-Aktie am Dienstag.

"Dies ist die einmalige Chance für alle Aktionäre von Comcast und Disney, einen neuen Marktführer für die Unterhaltungs- und Kommunikationsbranche zu schaffen", sagte Comcast-Präsident Brian Roberts in New York. Durch die Fusion würde Comcast/Disney zu den größten Unterhaltungskonzernen der Welt aufschließen. Wie aus einem öffentlichen Brief von Comcast-Chef Roberts an den Disney-Vorstandsvorsitzenden Eisner hervorgeht, haben die beiden Manager bereits Anfang der Woche über einen Zusammenschluss verhandelt. Eisner habe sich dabei gegen eine Übernahme ausgesprochen, hieß es.

Analysten bezeichneten die Prämie als gering. Sie gehen davon aus, dass Comcast seine Offerte noch verbessern muss. "Ich glaube nicht, dass es leicht wird für Comcast", sagte ein Experte von LibertyView Capital Management. Die Offerte werde aber zumindest die interne Diskussionen bei Disney zur Konzernstrategie anheizen. "Es zeigt, dass wir in eine neue Phase der Fusionen und Übernahmen eintreten."

Die Möglichkeiten am deutschen Markt seien allerdings begrenzt. "In Deutschland gibt es nicht sehr viel Möglichkeiten für Fusionen oder Übernahmen, weil der deutsche Markt relativ verschlossen ist", sagte ein Analyst von Helaba. "Im TV-Bereich stehen sich zwei große Blöcke gegenüber, die nicht fusionieren können", ergänzte er mit Blick auf die beiden großen deutschen privaten Sendergruppen ProSiebenSat1 und die zum Bertelsmann-Konzern gehörende RTL Group.

In Europa reagierten die Aktien von Medienunternehmen wie ProSiebenSat.1 Media und Vivendi Universal mit kräftigen Kursgewinnen auf die veröffentlichten Übernahmepläne.

Quelle: n-tv.de

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