Archiv

Schnaps gegen Liebeskummer Das singende Lettland

Letten besingen ihr Leben in vier Zeilen. In den so genannten Dainas wird über Leben, Liebe oder Arbeit gesungen. Dainas sind uralte überlieferte Volkslieder, die zu jedem Anlass angestimmt werden können.

Traditionelle Dainas gibt es auch bei den beiden baltischen Nachbarn Estland und Litauen. Doch nirgends haben die Lieder eine solch tragende Bedeutung wie in Lettland. Es heißt, dass auf jeden der 2,5 Millionen Letten eine Daina kommt. Sicher sind es aber noch viel mehr. Die meisten Dainas werden zu einer Art Standardmelodie gesungen. Die ersten Dainas sollen aus dem 11. Jahrhundert stammen.

Sie sind fester Bestandteil der nationalen Identität. Auch „Miestins“ (Schwarzer Balsam) wirkt verbindend. Der Schnaps besteht aus 34 Kräutern und wird nach einem uralten Rezept aus Riga gebraut. Man sagt, er habe heilende Kräfte. Zum Beispiel gegen viele Krankheiten, aber auch gegen Liebeskummer.

Ihr nationales Verständnis wollen die Letten nach der Loslösung aus der Sowjetunion auch in der Europäischen Union pflegen. Was die Kriterien für einen Beitritt angeht, stehen die Letten sehr gut da. Die meisten Defizite wurden ausgeräumt.

Letten bekommen vorerst keine Jobs in der EU

Brüssel hat aber „ernsthafte Bedenken“ was die gegenseitige Annerkennung von Berufsqualifikationen, unter anderem bei Architekten, Pharmazeuten oder Juristen, angeht. Das Gesundheitswesen ist nach Ansicht der EU-Kommission alles andere als gesundheitsfördernd. Sie fordern die Umsetzung von Minimalstandards.

Außerdem habe Lettland seine Mehrwertsteuer-Erhebung noch nicht an die EU angepasst. Bei Wirtschaftsreformen und Arbeitsmarktstrategien bescheinigt Brüssel Lettland eine positive Entwicklung. Trotzdem bleiben dem mittleren der drei baltischen Staaten vorerst Agrarsubventionen und Jobs in EU-Ländern verwehrt. Die EU kann sich das nach der Osterweiterung noch nicht leisten.

Russische Minderheit muss Lettisch sprechen

Ein ganz anderes Problem hat die russische Minderheit in Lettland. Sie muss nach dem neuen Schulgesetz auch auf russischen Schulen 60 Prozent des Unterrichts auf Lettisch abhalten. Die Russen fühlen sich diskriminiert und veranstalteten Proteste.

Das lettische Verfassungsgericht hat andererseits einen Schritt in Richtung lettisch-russische Verständigung unternommen: Es hat Teile des Mediengesetzes für verfassungswidrig erklärt. Das Urteil hebt die seit 1995 geltende Regelung auf, wonach Radio- und Fernsehsender maximal 20 Prozent in nicht-lettischer Sprache senden dürfen.

Bojana Petrovic

Quelle: ntv.de

ntv.de Dienste
Software
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.