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n-tv.de Interview "Den Finger auf die Wunde gelegt"

US-Verteidigungsminister Rumsfeld hat Deutschland wegen seiner Haltung in der Irak-Frage auf eine Stufe mit Libyen und Kuba gestellt. n-tv.de sprach mit Frank Umbach von der Deutschen Gesellschaft für auswärtige Politik über die Bedeutung und die Hintergründe dieser Aussage.

Herr Umbach, warum kam es zu diesem Vergleich von Rumsfeld?

Auf der einen Seite ist Rumsfeld dafür bekannt, dass er häufig sehr undiplomatisch ist. Auf der anderen Seite hat er den Finger auf die Wunde gelegt. Die Position Deutschlands, grundsätzlich an keiner Militärintervention gegen den Irak teilzunehmen, ist eine Position, die Deutschland außenpolitisch isoliert. Rumsfelds Aussage macht noch einmal die Verärgerung auf amerikanischer Seite deutlich. Zudem kommt hinzu, dass Rumsfeld, der stellvertretende Verteidigungsminister Paul Wolfowitz und Vize-Präsident Dick Cheney bereits unter Bush senior tätig waren und die deutsche Wiedervereinigung unterstützt hatten. Von daher können sie nicht verstehen, dass der eigentlich engste Alliierte in Europa die Amerikaner politisch nicht unterstützt, sondern eher auf Konfrontationskurs gehen.

Welche Strategie verfolgt Rumsfeld?

Er versucht, den Druck auf die Bundesrepublik zu erhöhen, damit Berlin seine Position noch mal überprüft und dass sie bei einer weiteren Entscheidung des UN-Sicherheitsrats kein Nein zu einer Intervention abgibt.

Erreicht er mit dieser Aussage überhaupt etwas?

Er wird wahrscheinlich damit nichts erreichen. Er wird nur Verärgerung auf deutscher Seite schaffen. Insofern schaukelt es sich auf beiden Seiten hoch. Diese Äußerungen sind natürlich kontraproduktiv. Aber auch die deutsche Seite ist nicht ganz unschuldig. Die jüngsten Erklärungen zum Thema Irak und vor allem die Goslarer Rede des Bundeskanzlers haben in Amerika Verärgerung ausgelöst.

Worauf muss sich Deutschland einstellen?

Es ist ja mittlerweile so, dass deutsche Parlamentarier von SPD und Grünen schon gar keine Gesprächspartner in Washington mehr finden. Weder bei den Republikanern noch bei den Demokraten. Die Verärgerung auf amerikanischer Seite nimmt mehr zu. Es gibt Gerüchte, wonach möglicherweise künftig einige Militärbasen nach Polen oder anderen osteuropäischen Staaten verlegt werden, damit sichergestellt werden kann, dass die Überflugrechte nicht von der Bundesregierung verweigert werden.

Die Fragen stellte Marcus Dzeik.

Quelle: ntv.de

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