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Kein Umzug nach London Deutsche Bank bleibt

Die Deutsche Bank wird nicht an die Themse umziehen. Auf der Pressekonferenz des Finanzinstituts trat der scheidende Deutsche Bank-Vorstandssprecher Rolf Breuer Gerüchten über einen Umzug der Deutschen Bank nach London entschieden entgegen. Dies sei nie ein Thema gewesen, betonte der Bankchef. Der Firmensitz bleibe in Frankfurt.

Die Deutsche Bank werde im Ausland um ihre deutschen Wurzeln beneidet, erklärte Breuer. Gerade im Standort Deutschland liege die Stärke des Bankhauses. In London wären sie eine von vielen, in Frankfurt hätte die Deutsche Bank jedoch einen Konkurrenzvorteil.

Bereits seit längerem machten Spekulationen über den Umzug der Deutschen Bank nach London die Runde. Die Firmensitzverlegung galt als Möglichkeit für den designierten Nachfolger Breuers, Joseph Ackermann, den Titel CEO (Chief Executive Officer) nach angelsächsischem Handelsrecht führen zu können.

Gewinneinbruch im letzten Jahr

Die Deutsche Bank hat im Jahr 2001 einen herben Gewinnrückgang erlitten. Wie das Unternehmen mitteilte, betrug der Jahresüberschuss vor Steuern 1,8 Mrd. Euro. Noch im Vorjahr hatte der Finanzriese einen Gewinn von 6,9 Mrd. Euro erzielt. Dementsprechend schmal fiel das Ergebnis je Aktie aus. Statt 22,00 Euro wie im Vorjahr kann die Bank jetzt nur noch ein Gewinn von 0,27 Euro je Aktie verbuchen.

Den Einbruch um 5,1 Mrd. Euro führte die Deutsche Bank auf ein um 2,2 Mrd. Euro gesunkenes Ergebnis aus dem Wertpapiergeschäft sowie den höheren Abschreibungen und Wertberichtigungen bei den Private Equity und Immobilienanlagen in Höhe von 1,4 Mrd. Euro zurück.

Erschwert wird der Vergleich der Jahreszahlen durch die Umstellung der Bilanzierungsmethode nach US-GAAP. Zudem lasten nach Angaben der Bank die Steuersatzänderungen auf den Ergebnissen. Ohne Berücksichtigung dieser Änderung und des kumulierten Effekts aus den Änderungen der Bilanzierungsmethode hätte das Ergebnis je Aktie in 2001 2,21 und in 2000 6,88 Euro betragen.

Dividende bleibt unverändert

Trotz des deutlichen Gewinneinbruchs will Breuer seinen Aktionären eine unveränderte Dividende von 1,30 Euro je Aktie zahlen. Die Deutsche Bank habe sich trotz der rückläufigen Gewinne gut behauptet, besonders im Hinblick auf die derzeit schwache Entwicklung an den internationalen Finanzmärkten, erklärte Breuer.

Dank des straffen Kostenmanagements seien die Kosten im Vorjahresvergleich nahezu unverändert geblieben, so der Konzernlenker weiter. Die Deutsche Bank sei insgesamt schlanker geworden und habe so Potenzial für weiteres Wachstum geschaffen.

Doch nicht nur die Zahlen, sondern auch die neue Führungsstruktur des Finanzinstituts beschäftigte die Gemüter. Der designierte Nachfolger Breuers, Joseph Ackermann, konnte am Vortag auf der Aufsichtsratsitzung seine Pläne durchsetzen und gewann damit einen bereits seit längerem schwelenden, internen Machtkampf. Künftig soll der Vorstandssprecher, nach dem Vorbild der US-CEOs, eine deutlich stärkere Position haben.

Um diese Änderung einzuleiten, stimmte der Aufsichtsrat gestern der Implementierung eines Exekutivkommittees zu, das unter dem Vorstand angesiedelt ist. Dieses Kommittee steuert die operativen Bereiche und berichtet direkt an Ackermann. Die übrigen vier Vorstände - der Vorstand wird von acht auf fünf Mitglieder verkleinert - ziehen mit den Direktoren der operativen Bereiche ins Exekutivkommittee ein und übernehmen selbst nur noch eher administrative Aufgaben.

Dennoch ist die neue Struktur nach Worten von Breuer nicht als Entmachtung des Führungsgremiums zu verstehen. Der Konzernvorstand werde sich im Sinne einer virtuellen Holding auf die strategische Führung konzentrieren und über die Besetzung des Executive Committees entscheiden, erklärte der Bankchef. Der Vorstand berufe und entlasse die übrigen Mitglieder des Kommittees, von einer Entmachtung könne daher keine Rede sein. Mit dieser Struktur folge man der Entwicklung anderer deutscher Konzerne, wie RWE, Bayer oder E.ON und sorge für mehr Transparenz, so Breuer.

Quelle: ntv.de