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Breuer skeptisch Deutsche Bank sorgt vor

Wenn Rolf Breuer am 22. Mai seinen Chefsessel bei der Deutschen Bank räumt, hinterlässt er das deutsche Finanz-Flaggschiff in unruhigem Fahrwasser. "Wir fühlen uns gut gerüstet", beteuert Breuer bei der Präsentation des Geschäftsberichtes - doch er muss einräumen, dass auch das kommende Jahr schwierig wird.

Deshalb bereiten die Banker die Finanzwelt auf eine höhere Risikovorsorge vor. "Viele Engagements müssen weiterhin mit Sorgfalt und großer Aufmerksamkeit gemanagt werden", heißt es im Geschäftsbericht. Für die Bilanz bedeutet das möglicherweise höhere Abschreibungen auf laufende Kredite. Im vergangenen Jahr hatte die Deutsche Bank ihre Risikovorsorge im Kreditgeschäft auf 1.024 Mio. Euro mehr als verdoppelt.

Außerdem bestätigte das Institut weitgehend seine am 31. Januar vorgelegten vorläufigen Ergebnisse für 2001. Vor Steuern und dem Effekt aus Änderungen der Bilanzierungsmethode auf die US-Bilanzregeln (US-GAAP) brach der Vorsteuergewinn um knapp 74 Prozent auf 1,8 Mrd. Euro ein. Nach Steuern ergibt sich ein Gewinnrückgang um zwei Drittel auf 1,4 Mrd. Euro.

Vor allem sinkende Erträge im Kerngeschäftsfeld Investmentbanking sowie die schwache Weltkonjunktur 2001 führten zu dem drastischen Ergebniseinbruch. Für das zweite Halbjahr 2002 prognostiziert das Kreditinstitut eine Belebung der Weltwirtschaft, von der auch die Ertragslage profitieren dürfte.

Das Investmentbanking hat trotz des empfindlichen Ertragseinbruchs 2001 mit gut 2,7 Mrd. Euro - vor negativen Überleitungseffekten aus der Umstellung auf US-GAAP - den Löwenanteil zum Vorsteuergewinn des Konzerns beigetragen. Dagegen weist die Segmentberichterstattung für die zweite Konzernsäule "Private Kunden und Vermögensverwaltung " nur ein Vorsteuerergebnis von 397 Mio. Euro aus.

Der Bereich Private Banking, also das Geschäft mit den vermögenden Privatkunden, musste sogar einen Verlust von 52 Mio. Euro hinnehmen. Dazu trug den Angaben zufolge vor allem das schwache Brokerage-Geschäft in den USA, ein Verlust in Frankreich sowie sinkende Nettoerträge aus dem Provisionsgeschäft bei.

Fusionsgerüchte verstummen nicht

Derweil wollen Gerüchte über eine mögliche Übernahme des britischen Kreditinstituts Lloyds TSB nicht abreißen. Zwar hatte die Deutsche Bank einen entsprechenden Bericht der Zeitung "Independent on Sunday" am Wochenende zurückgewiesen, doch nach Informationen des "manager magazin" sollen Peter Ellwood, CEO bei der britischen Bank, sowie das Deutsche Bank-Duo Rolf Breuer mit dessen designiertem Nachfolger Josef Ackermann die Verhandlungen wieder aufgenommen haben.

Beide Banken sollen laut der Online-Ausgabe des Magazins ein einjähriges "stand-still-agreement" vereinbart haben. Diese Vereinbarung wird häufig bei Fusionsgesprächen eingesetzt, um überraschende Maßnahmen wie eine feindliche Übernahme zu verhindern. Während der festgelegten Frist dürfen die beiden Unternehmen keine Aktien des jeweils anderen Unternehmens kaufen.

Hintergrund der Gerüchte sei das Bestreben der Deutschen Bank, ihre weltweite Position durch eine Ausweitung ihres Börsenwertes zu stärken, so das Magazin.

Quelle: ntv.de