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Album "WolkeNr7.de" Deutscher Pop-Rock von ulk

Von Thomas Willimowski

Sie sind selten geworden in diesem Land, die echten Singer-Songwriter. Im Kampf mit Gitarre oder Klavier neue Melodien finden und in deutschen Texten ureigenste Erfahrungen und Emotionen thematisieren - das ist ein Metier, dem sich nur noch wenige Musiker verpflichtet fühlen. Also horcht man auf, wenn es doch mal jemand wagt und mit seinen handgemachten Liedern ins Scheinwerferlicht tritt, wie jetzt ulk aus Berlin.

"WolkeNr7.de" heißt sein Pop-Rock-Album. Zwölf Songs zuzüglich Videoclip als Bonustrack birgt die Scheibe - das Ergebnis von über zwei Jahren leidenschaftlicher Arbeit an Kompositionen, Texten, Arrangements und Produktion. Wohltuend weit entfernt von der massenhaft produzierten Meterware, die tagaus, tagein aus den Radio- und TV-Geräten dröhnt. Was keineswegs bedeutet, ulks Songs seien nicht tauglich für den Hörfunk. Im Gegenteil.

Direkt und authentisch

Bester Beweis dafür ist sicher der Titelsong "Wolke Nr. 7", der sich so schnell im Gehörgang festsetzt, dass man ihn für Tage nicht mehr loswird: "Von unsrer Wolke Nr. 7 / Ist nix zurückgeblieben / Nur in einsamen Nächten / Denk' ich manchmal auch an Dich", singt ulk im Refrain und setzt damit einen Schlussstrich unter eine unbequem gewordene Beziehung. Sehr direkt, sehr ehrlich und alles andere als kuschelig. Aber hinter den ungeschminkten Worten und den wuchtig vorantreibenden Gitarrenriffs verbirgt sich viel Seele. Auch in "Ich will endlich meine Freiheit" ist das so: "Wie gern würd' ich Dir sagen, / Dass ich Dich noch immer lieb' / Wir haben uns so gut vertragen / Jetzt stehl' ich mich fort wie ein Dieb". Und dann bricht der Sänger auf, um nicht zahm zu werden und um endlich wieder das harte Leben der Straße zu spüren.

Ulk, das steht für Ulrich Kleemann, seit früher Jugend Musiker und reich an Erfahrungen im Showgeschäft. Mit 14 Jahren lernte der gebürtige Düsseldorfer das Gitarrenspiel, brachte früh eigene Lieder auf Vinyl, und die Band, in der er damals spielte, bekam sogar einen Polydor-Plattenvertrag.

Gitarrenlehrer von Breiti

Seinerzeit hatte ulk auch einen Gitarrenschüler, der mittlerweile längst berühmt ist: Breiti von den Toten Hosen. "Breiti, der da noch Michael hieß, kam samstags immer zu mir", erinnert sich ulk. "Das war im wahrsten Sinne des Wortes nahe liegend, denn wir wohnten in derselben Straße und kannten uns schon lange. Wir haben rumgeklimpert und ich hab' ein paar Griffe auf meiner Strat gezeigt. Als Gitarrenlehrer habe ich mich eigentlich nicht gefühlt. Nur als einer, der einem Freund was zeigt. Doch die Samstage waren wohl für Michael damals ziemlich wichtig, sonst hätte er's ja nicht in die Hosen-Bio reingeschrieben."

Ans Mikrofon wagte sich ulk erst spät. Lange Zeit waren es andere, die seine Songs interpretierten, während der Komponist und Texter im Hintergrund Gitarre spielte. "Irgendwann ist mir klar gworden: Da musst du schon selber ran. Und dafür, dass ich eigentlich nicht singen kann, mache ich es doch verdammt gut, oder?" Da ist was dran. Anders ist wohl auch der Erfolg nicht zu erklären, den ulk mit seiner CD "Things just happen" (Pool Musik) Ende der 90er Jahre errang. "Don't wanna get it up" hieß das Stück von der Scheibe, das besondere Aufmerksamkeit erregte und neben zahlreichen Radioeinsätzen auch viel Presselob einbrachte.

Harter Rock - weiche Balladen

"WolkeNr7.de" ist eine Produktion aus einem Guss - wohl auch Dank Matthias Härtl, den ulk als musikalischen Produzenten im Studio an seiner Seite hatte. MATT saß für Größen wie Sarah Connor, Matthias Reim und Achim Reichel am Pult.

Im modernen Sound wechseln ulks groovende Rockstücke mit gefühlvollen Balladen ab, wobei die Gänsehaut-Nummer "Brauchst nicht zu weinen" ein absolutes Highlight ist: "Brauchst nicht zu weinen, wenn der Abschied naht / Glaub' an die Liebe / Und ich glaub' an Dich!" Ein Liebesversprechen über den Tod hinaus.

Überhaupt ist Abschied eines der großen Themen auf der Platte. Für die, die ulk zum ersten Mal hören, wird es eher ein Willkommen sein - und mit etwas Glück der Anfang einer langen musikalischen Beziehung.

Quelle: ntv.de

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