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OECD-Studie zur Bildung Deutschland muss nachsitzen

Wieder einmal muss Deutschland sich in einer Studie zur Bildung deutliche Kritik gefallen lassen. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) bemängelt in ihrer Untersuchung "Bildung auf einen Blick", in der die Bildungssysteme der Industriestaaten unter die Lupe genommen werden, etwa unterdurchschnittliche Investitionen in Kindergärten und Grundschulen. Zudem gebe es in Deutschland zu wenig Akademiker und deutliche Schwächen im Unterrichtsklima. Das deutsche Bildungssystem hatte bereits bei dem im vergangenen Jahr durchgeführten Schülertest "Pisa" schlechte Noten erhalten.

Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) sowie die Vizepräsidentin der Kultusministerkonferenz (KMK) und hessische Kultusministerin Karin Wolff (CDU) erklärten, es gebe Konsens darin, dass eine "bessere Förderung unserer Kinder im Kindergarten und in der Grundschule" erreicht werden müsse. Auch bei den angekündigten Investitionen in Ganztagsschulen werde es darum gehen.

Sieben Prozent unter dem Schnitt

19 Prozent eines Altersjahrgangs erwerben in Deutschland einen Hochschulabschluss. Damit fällt die Bundesrepublik im internationalen Vergleich hinter Länder wie die USA, Japan oder Großbritannien zurück. Aber auch in Staaten wie Finnland und Polen schafft inzwischen mehr als jeder dritte junge Mensch einen Studienabschluss. Im OECD-Schnitt sind es 26 Prozent.

In allen Industrienationen werde der Bedarf an Hochschulabsolventen weiter zunehmen, mahnte der OECD-Bildungsexperte Andreas Schleicher ein Umsteuern in Deutschland an. Der Bundesrepublik drohe ansonsten in absehbarer Zeit ein Fachkräftemangel.

Bulmahn kündigte weitere Anstrengungen an, den Hochschulbesuch attraktiver zu machen. Die Bafög-Reform habe bereits dazu geführt, dass die Zahl der Studienanfänger im vergangenen Jahr deutlich gestiegen sei. Sie warnte vor einer Debatte um Studiengebühren, mit der der positive Trend wieder gefährdet werden könne.

Veraltetes Unterrichtsmodell

Die Defizite im Unterrichtsklima führte Schleicher unter anderem auf das veraltete Modell des Frontalunterrichts und den Mangel an Gruppenarbeit zurück. Durch die bestehenden Strukturen sei es schwer, Schüler individuell zu fördern.

Bulmahn nannte es ein "erschütterndes Ergebnis" der OECD-Studie, dass Schüler das Lernklima an deutschen Bildungsstätten außerordentlich kritisch einschätzten. So gaben nur 41 Prozent der 15-Jährigen an, dass sich die Lehrer für den Fortschritt des Einzelnen im Unterricht interessierten.

Nachholbedarf gibt es laut der Untersuchung auch noch immer bei der Ausstattung von deutschen Schulen mit Computern. Jüngsten Zahlen zufolge teilten sich 16 Schüler einen PC. In den USA, Norwegen oder Neuseeland steht hingegen ein Computer für fünf bis sechs Schüler zur Verfügung.

Guter Bildungsstand

Doch auch Positives haben die Autoren der Studie über Deutschland zu berichten: Trotz der starken sozialen Differenzierung sei der Bildungsstand hier im Vergleich der OECD-Staaten gut. Rund 91 Prozent der Menschen seien im Besitz eines Berufsabschlusses oder einer Hochschulzugangsberechtigung. Damit läge Deutschland hinter Ungarn und Japan auf dem dritten Platz.

Quelle: ntv.de