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Frauen inspirieren Dickes Geschäft mit Pinsel & Co

Für Heimwerker und Häuslebauer ist Deutschland ein riesiges Einkaufsparadies: Die Zahl der großen Baumärkte wächst ungehemmt und der Preiskampf um den Kunden ist so hart wie noch nie, berichtet der Branchenverband BHB in Köln. Regelmäßige Rabattaktionen der METRO-Tochter Praktiker in Höhe von 20 Prozent auch auf Markenartikel schlügen Wellen. "So etwas hat es im Handel noch nicht gegeben", sagte BHB-Geschäftsführer John W. Herbert. Andere Baumarktketten reagierten, um Marktanteile zu verteidigen. "Für die Verbraucher ist das ein Paradies." Herbert riet den Kunden aber, Preise genau zu vergleichen und auch auf Qualität zu achten.

Die Bundesbürger geben entgegen der allgemeinen Kaufzurückhaltung mehr Geld für die Verschönerung ihrer Wohnung oder ihres Hauses aus. Die Baumärkte mit einer Verkaufsfläche von mehr als 1000 Quadratmetern steigerten 2004 ihren Gesamtumsatz um 1,3 Prozent auf knapp 17,5 Milliarden Euro, teilte der Bundesverband Deutscher Heimwerker-, Bau- und Gartenfachmärkte (BHB) weiter mit. Angesichts des Preisverfalls müsse der Absatz noch deutlich stärker gestiegen sein. Mit dem Wachstum stellten die Baumärkte eine Ausnahme im deutschen Einzelhandel dar, dessen Gesamtumsatz 2004 um real 1,7 Prozent sank. Die Frauen würden als Impulsgeber für Renovierungen immer wichtiger.

Renner im Baumarktsortiment waren Anstrichmittel und Zubehör mit einem Umsatzplus von 4,7 Prozent. Aber auch Holz und Kunststoffe waren mit einem Umsatzplus von 4,5 Prozent stärker gefragt als in den Vorjahren. Bei Eisenwaren und Sicherungstechnik wurde ein Plus von 2,7 Prozent verzeichnet. Dagegen sei die Stimmung im Gartenmarkt verhagelt gewesen. Mit dem regenreichen Wetter im Sommer 2004 seien die Grillsaison und auch die Pläne vieler Hobbygärtner sprichwörtlich ins Wasser gefallen. Der Umsatz mit Pflanzen sank um 3,4 Prozent. Bei Gartengeräten und Gartenmöbeln betrug das Minus 2,5 beziehungsweise 4,2 Prozent. Der Gartenbereich stehe für gut ein Fünftel der Umsätze.

Für das laufende Jahr rechnet der Verband mit einem Umsatzwachstum von 0,5 bis 1 Prozent für die Branche. Bei gutem Frühlingswetter und einen sonnenreichen Sommer könnte der Branchenumsatz sogar um mehr als ein Prozent zulegen, erklärte BHB-Vorstandsvorsitzender Manfred Maus. Frauen würden für die Branche immer wichtiger. "Frauen lieben die Veränderung", schilderte er. Im Durchschnitt habe 2004 jeder Bundesbürger pro Einkauf 25,40 Euro im Baumarkt ausgegeben. Damit sei der Durchschnittsbon im Vergleich zum Vorjahr um 80 Cent gestiegen.

Die Zahl der Baumärkte mit mehr als 1000 Quadratmeter Fläche stieg 2004 um 61 auf 3211. Im internationalen Vergleich sei bereits jetzt jeder vierte Baumarkt in Deutschland zu viel. Lebensmitteldiscounter wie Aldi und Lidl sowie der Kaffeeröster Tchibo schnitten sich zudem regelmäßig ein Stückchen vom Umsatzkuchen der Baumärkte ab. Der Markteintritt großer ausländischer Baumarktketten in Deutschland sei angesichts relativ geringer Renditen unwahrscheinlich, meinte Maus. Eine Pleitewelle bei einheimischen Unternehmen sei nicht zu erwarten. Einige Baumarktketten hätten starke Mütter. Für andere Anbieter wären Einkaufskooperationen ein Weg, um Kräfte zu bündeln.

Quelle: ntv.de