Archiv

15.000 Euro hin oder her Dresden ohne Selbstzweifel

Fußball-Zweitligist Dynamo Dresden sieht sich trotz einer offensichtlich von Drahtziehern des Wettskandals erhaltenen Zahlung von 15.000 Euro nicht in die Affäre verwickelt. Die erhaltene Summe werde für wohltätige Zwecke gespendet, teilte der Verein mit.

In einer Pressekonferenz informierte Aufsichtsrats-Chef Friedemann Küchenmeister, dass der jetzt beim Bundesligisten Mainz 05 unter Vertrag stehende Spieler Ranislav Jovanovic vier Tage vor dem letzten Regionalliga-Punktspiel der Saison 2002/2003 gegen Preußen Münster (3:2) einen Anruf eines Berliner Geschäftsmannes über das Geldangebot erhalten habe. Dabei könnte es sich um den festgenommenen Ante S. gehandelt haben.

"Ein kleiner Obolus"

"Jovanovic hat informiert, dass eine zusätzliche Prämie ins Haus steht. Die Mannschaft hat das akzeptiert, weil sie das Spiel ohnehin gewinnen wollte", erklärte Coach Christoph Franke: "Ich werde nicht noch einmal so naiv sein, wie ich es damals war. Das war ein einmaliger Fall, weitere Anfragen hat es nicht gegeben."

Die 15.000 Euro seien nach dem Erfolg unter den Spielern verteilt worden, auch Franke räumte ein "einen kleinen Obolus" erhalten zu haben. Nach Bekanntwerden der Quelle hat sich das Team jetzt entschlossen, die Summe jeweils zur Hälfte an zwei Vereine zur Unterstützung für krebskranke Kinder zu spenden.

Mainz sprach mit Jovanovic

Auch beim Bundesligisten FSV Mainz 05 ist man auf den Fall Jovanovic aufmerksam geworden. "Ich habe mit ihm gesprochen, er hat über den Vorfall berichtet. Wir sehen derzeit aber keine Veranlassung zu reagieren. Deshalb ist er auch mit ins Trainingslager gefahren", sagte FSV-Manager Christian Heidel dem und sah von einer Suspendierung des Spielers ab. Heidel: "Jovanovic hat gesagt, dass das Geld in der Kabine abgegeben wurde. Er hat den Trainer gleich informiert, und dann wurde die Sonderzahlung im Kreise der Mannschaft besprochen."

Dresden hatte eigens zu einer Pressekonferenz geladen, um über die neuesten Entwicklungen zu berichten. "Die Spieler haben eine Erklärung unterzeichnet, nach der sie weder unmittelbar noch mittelbar an Wettmanipulationen beteiligt sind. Damit gehen wir von der Unschuld der Mannschaft aus", sagte Küchenmeister: "Falls sich ein neuer Sachstand ergeben sollte, werden wir sofort rechtliche Schritte einleiten." Auf Grund der im Juni 2003 finanziell angespannten Situation für den Verein habe es für die Mannschaft in Unkenntnis der Quelle keinen Grund gegeben, "die Siegprämie abzulehnen".

Die Führungsetage von Dynamo Dresden räumte gleichzeitig ein, dass ihr bis Montag nichts von den Vorgängen bekannt gewesen sei. Küchenmeister kündigte an, dass der Verein ein Wettverbot für seine Spieler prüfen werde.

Quelle: ntv.de