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"Arbeiten, arbeiten, arbeiten" Drogeriekönig Erwin Müller

Der 76 Jahre alte Drogeriekönig Erwin Müller vertraut nur sich selbst. Den Banken kehrte er schon früh den Rücken, nachdem diese ihm vor Jahren nicht aus der Patsche halfen, als einer seiner Läden abbrannte. Heute gehören ihm deswegen die meisten Filialen seiner Müller-Drogerien samt Gebäude und Grundstück selbst. Auf Kredite scheint der Firmenpatriarch nichts zu geben. Selbst seinen Sohn drängte er aus der Geschäftsführung, weil ihm die eingeschlagene Firmenpolitik nicht gepasst haben soll. "Arbeiten, arbeiten, arbeiten", so erklärt Müller seinen Erfolg. Der Rest sei Betriebsgeheimnis.

Müller gehört neben Schlecker, dm und Rossmann zu den größten Drogerieketten in Deutschland. Mehr als eine Milliarde Euro setzt das Unternehmen jährlich um. Es beschäftigt mehr als 22 000 Mitarbeiter in mehr als 500 Filialen vor allem in Süddeutschland, aber auch in Österreich, der Schweiz, Ungarn, Slowenien, Kroatien und auf Mallorca. Anders als seine Konkurrenten bietet es auch dauerhaft ein großes Sortiment an Schreibwaren, Spielwaren sowie Haushaltsartikeln an.

Unbeliebter Schwaben-Milliardär

Wie Konkurrent Anton Schlecker und der verstorbene Unternehmer Adolf Merckle gehört Erwin Müller zu einem Kreis schwäbischer Milliardäre, die in der Öffentlichkeit kaum bekannt sind. Müller begann seine Laufbahn als Unternehmer 1953 mit einem kleinen Herren-Friseursalon in der elterlichen Wohnung. Schon früh machte sich der in Bayern geborene Unternehmer unbeliebt. Als "Rebell von Ulm" beherrschte er 1967 die Schlagzeilen, als er sich entschloss, seine Friseurläden auch montags zu öffnen. Der "Figaro-Streit" endete mit Müllers Ausschluss aus der Friseur-Innung.

Doch nicht nur bei den Friseuren, auch bei den Gewerkschaften ist der Unternehmer nicht gerade ein gern gesehener Gast. Vehement wehrt sich der 76-Jährige gegen Betriebsräte, zog wegen einer bevorstehenden Gründung in seinem Lager in Neu-Ulm (Bayern) sogar vor Gericht. Als er vor etwa zwei Woche verlor, entschloss er sich, lieber das Lager an die Honold Logistik Gruppe zu verkaufen, als den neu gewählten Betriebsrat zu dulden.

Auch sein Sohn bekam den Groll des Vaters schon zu spüren. Im Mai 2004 wandelte Erwin Müller die Müller GmbH, in der Sohn Reinhard Geschäftsführer war, in eine Müller Ltd. um und begrenzte damit den Einfluss seines Sohnes. Der Streit soll wegen einer von seinem Sohn abgeschlossene Einkaufskooperation mit dem Konkurrenten Rossmann eskaliert sein. Diese annullierte Müller, nachdem sich Rossmann im süddeutschen Stammgebiet von Müller auszuweiten begann.

Schroffer Ton

Auch mit seinen Mitarbeitern geht er Gewerkschaftsangaben zufolge nicht gerade zimperlich um. "Wir wissen, bei Müller ist der Ton schroff", sagt Rainer Dacke von ver.di. Müller-Mitarbeiter müssen nach Gewerkschaftsangaben nach ihrer Genesung in einem "Krankenrückkehrgespräch" bei ihrem Chef vorsprechen. Dabei soll systematisch auch nach der Ursache der Erkrankung gefragt worden sein. Noch dazu legt die Unternehmensleitung Mitarbeitern, die zu oft krank sind, den Angaben zufolge nahe, sich zu überlegen, ob der Arbeitsplatz innerhalb der Handelskette noch der Richtige ist. Müller selbst wollte sich bislang zu den Vorwürfen nicht äußern.

Privat ist Müller segelflugbegeistert. Mit Gleichgesinnten soll er einen Gleiter entworfen haben, der von Flügelspitze zu Flügelspitze 30,90 Meter misst. Außerdem ließ er auf Mallorca einen Golfplatz errichten, den der Verleger Hubert Burda einer Legende zu Folge als einen der schönsten Plätze der Welt bezeichnet haben soll - obwohl er selber nicht Golf spielt.

Berit Schmidt, dpa

Quelle: n-tv.de

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