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DIW senkt Prognose Düstere Aussichten

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hat seine Prognosen für das Wirtschaftswachstum in Deutschland deutlich nach unten korrigiert. Im laufenden Jahr 2001 sei nur noch mit einem Wachstum von einem Prozent zu rechnen, so das DIW am Dienstag. Zuvor hatte das Institut noch einen Konjunkturanstieg von 2,1 Prozent prognostiziert.

Zur Überwindung der Konjunkturschwäche forderte das Institut in einer 4-Punkte-Strategie eine „rasche“ Absenkung der Leitzinsen durch die Europäische Zentralbank (EZB) auf 2,5 Prozent. Zur Zeit liegt der Zinssatz bei 4,5 Prozent. Die EZB trage mit ihrer straffen Geldpolitik eine Mitschuld an den schwachen Wirtschaftsaussichten, so das DIW.

Zugleich sagte das Institut eine durchschnittliche deutsche Jahresinflation von 2,7 Prozent voraus. Der hohe Preisauftrieb sei derzeit das größte Hindernis für einen Konjunkturaufschwung im Euro-Raum, so das DIW.

EZB-Chef Wim Duisenberg hatte in der Vergangenheit mehrmals darauf hingewiesen, eine Absenkung der Leitzinsen sei aufgrund der drohenden Inflationsgefahr im Euro-Raum nicht möglich.

Die Bundesregierung reagierte gelassen auf die Ankündigung des DIW. Fakt sei nur, dass im ersten Quartal dieses Jahres ein Wirtschaftswachstum von 1,6 Prozent zu verzeichnen gewesen sei, sagte Bundesarbeitsminister Walter Riester (SPD) im ZDF. Alles andere seien reine Prognosen.

Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) kündigte an, man werde an der Regierungsprognose von zwei Prozent Wachstum bis zum Herbst festhalten. "Wir bleiben dabei, dass unser Wachstumsziel zu erreichen ist, obwohl es schwieriger geworden ist", so Eichel. Er gehe von einer Erholung im zweiten Halbjahr 2001 aus, so der Minister weiter.

Für das nächste Jahr rechnet das DIW mit einer Wachstumsbeschleunigung auf rund 2,3 Prozent, was in etwa der Regierungsprognose von zweieinviertel Prozent entspricht.

Die Berliner Wirtschaftsforscher warnten außerdem vor einer drohenden Rezession im Euroraum. Das Institut sprach sich daher für eine zeitweilige Lockerung der Sparpolitik in den Ländern der Währungsunion aus. Die Staaten müssten ein höheres Haushaltsdefizit als bislang geplant hinnehmen. „Ein starres Festhalten an dem vereinbarten Zielpfad bei den Defiziten würde eine Rezession heraufbeschwören“, so das Institut. Das bedeute aber nicht zwangsläufig, dass das Ziel eines mittelfristigen Haushaltsausgleichs aufgegeben werden müsse, hieß es weiter.

Quelle: ntv.de