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Illegale Preisabsprachen? Durchsuchung bei Bayer

Der Chemie- und Pharmakonzern Bayer ist wegen des Verdachts auf Preisabsprachen bei Kautschuk-Chemikalien ins Visier der europäischen und US-Kartellbehörden geraten. Ein Sprecher des Unternehmens bestätigte, dass es in Deutschland und den USA Untersuchungen gegeben habe. Hier zu Lande sei die Zentrale in Leverkusen Ende September von EU-Beamten durchsucht worden. Man warte das Ergebnis ab und arbeite mit den Behörden zusammen, sagte der Sprecher.

Im Rahmen einer separaten Durchsuchung wurden Kommissionsbeamte auch beim US-Ölkonzern ExxonMobil vorstellig. Der Konzern bestätigte, der Behördenbesuch habe Anfang voriger Woche in der Mitteleuropa-Zentrale in Hamburg stattgefunden. Sie seien unangekündigt erschienen und hätten mit mehreren Managern gesprochen. "Es war aber keine Durchsuchung und es wurde nichts beschlagnahmt", sagte eine Sprecherin. Sie betonte, es handele sich auch nicht um ein Verfahren in der Petrochemie. Nähere Einzelheiten wollte sie aber nicht nennen, da es sich um ein schwebendes Verfahren handele.

Die EU-Wettbewerbshüter statten Unternehmen üblicherweise nur dann einen unangekündigten Hausbesuch ab, wenn sie hinreichend Indizien für ein Vergehen gegen das EU-Kartellrecht haben. Für solche Zwecke hatte die Brüsseler Behörde ihre Personaldecke in der Vergangenheit deutlich aufgestockt, weil sie in Kartellen einen der gröbsten Verstöße zum Nachteil von Verbrauchern sieht. Sollte die EU-Behörde ein formelles Verfahren einleiten, könnten an dessen Ende empfindlich hohe Bußgelder stehen.

In der Konzernsparte "Polymere" setzt Bayer mit 23.000 Mitarbeitern rund elf Mrd. Euro jährlich um und stellt so unterschiedliche Produkte wie Kunststoffe, Polyurethane und Kautschuk her. Besonders erfolgreich lief das Geschäft allerdings nicht. Bereits im vergangenen Jahr sackte das operative Ergebnis vor Sonderposten um 60 Prozent auf nur noch 434 Mio. Euro ab. Im ersten Halbjahr 2002 halbierte sich das Ergebnis gegenüber dem Vorjahreszeitraum nochmals.

Quelle: ntv.de