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Mittwoch, 15. Juni 2005

Wohin mit den Milliarden: E.ON strotzt vor Kraft

Nur wenige deutsche Konzerne können auf eine solche Geschichte zurückblicken: Fünf Jahre nach dem Zusammenschluss von VEBA und VIAG zum Energieriesen Eon hat sich das Unternehmen in der Welttopliga fest etabliert. Keine Gesellschaft hat sich in so kurzer Zeit so radikal verändert und sitzt auf einem solchen Finanzpolster, wie der einstige Gemischtwarenladen aus der rheinischen Metropole. Und das Ziel von Vorstandschef Wulf Bernotat: "Wir wollen das weltweit führende Strom- und Gasunternehmen werden".

Seine Zurückhaltung bei Zukäufen hat der Eon-Chef inzwischen aufgegeben, nachdem mit Ruhrgas die größte, aber auch die umstrittenste Akquisition der Vergangenheit verdaut wurde. Im Fokus der Expansion stehen vor allem die Strom- und Gasmärkte in Mittel- und Osteuropa. So haben die Düsseldorfer ihre Marktpositionen unter anderem in Rumänien, Ungarn, Bulgarien, Tschechien, Polen und der Slowakei systematisch ausgebaut.

Die Schiene Osteuropa und Russland bietet nach Ansicht von Josef Auer interessante Perspektiven. Dabei bescheinigt der Branchenanalyst der Deutschen Bank dem Eon-Vorstand ein intelligentes Vorgehen. Inzwischen soll das Unternehmen gar auf die immensen Gasvorkommen im Iran schielen, um seine Bezugsquellen zu diversifizierten und zu sichern. Doch der Iran sei derzeit "politisch vermint", meint Auer, und vermutlich erst mittelfristig eine Alternative.

Doch die vollen Kassen machen Eon nicht glücklich. In Westeuropa will ein großer Deal derzeit nicht gelingen. In Italien schnappte der französische Riese EdF dem deutschen Konzern das Unternehmen Edison vor der Nase weg. In Russland musste Eon vor wenigen Monaten der BASF bei einer Kooperation an dem begehrten westsibirischen Gasfeld Yushno Russkoje den Vortritt lassen - trotz bester Beziehungen zur russischen Gazprom. Für Eon bestünden weiterhin Möglichkeiten für eine Beteiligung, spielt Bernotat den Vorgang indes herunter.

Tatsächlich könnten die Düsseldorfer jederzeit zulangen, wenn ein passendes Objekt gefunden würde. Die Kriegskasse des Konzerns ist mit mehr als zwölf Milliarden Euro prall gefüllt. Allerdings wird Bernotat nicht müde zu betonen: Ein Zukauf müsse in die Strategie passen und die strengen Investitionskriterien erfüllen, sprich Rendite bringen.

Aber auch die schiere Größe bindet Eon die Hände. In Deutschland hatte schon der Erwerb der Ruhrgas gezeigt, dass die Kartellwächter keinesfalls jeden Expansionsschritt mitmachen. Den Zusammenschluss VEBA/VIAG genehmigte die EU-Kommission nur mit Auflagen. Zudem tritt jetzt eine Regulierungsbehörde auf den Plan, die den Netzbetreibern bei den Durchleitungspreisen genau auf die Finger schaut.

Über 90 Milliarden Euro Umsatz hat Eon seit der Fusion von VEBA/VIAG durch Verkäufe und Zukäufe bewegt. Der Ausflug in die Telekommunikation scheiterte zwar kläglich, aber der Ausstieg warf milliardenschwere Buchgewinne ab, darunter der Verkauf der Anteile an den beiden Mobilfunkern Viag Interkom (02) und E-Plus sowie an der britischen Cable & Wireless.

Auch andere Tochterfirmen schieden aus dem Eon-Verbund aus wie VAW Aluminium, Stinnes, Veba Oel, Schmalbach Lubeca, Klöckner & Co. und Viterra. Die Mehrheit an dem Chemiespezialisten Degussa ging an die RAG. Die restlichen Anteile von 43 Prozent sind der letzte große Brocken, den Eon noch zu versilbern hat. Gleichzeitig wurde zugekauft - der britische Stromkonzern Powergen und als Krönung die Ruhrgas AG.

Für die Eon-Aktionäre hat sich der einschlagene Kurs ausgezahlt. Sie dürfen sich über Kurssprünge, sprudelnde Gewinne und üppige Dividenden freuen. Am Ende ihres ersten Handelstages am 19. Juni 2000 stand die Eon-Aktie bei 57,30 Euro. Nach einigen Rückschlägen erreichte das Papier erst vor wenigen Tagen ein Allzeithoch von 72,70 Euro. Wer zum richtigen Zeitpunkt beim historischen Tief im März 2003 eingestiegen war, der hat sein Eon-Aktienvermögen heute verdoppelt.

Quelle: n-tv.de