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Duisenberg tut's EZB senkt Leitzinsen

Die Europäische Zentralbank hat die Leitzinsen um 50 Basispunkte gesenkt. Damit liegt der Leitzins nun bei 3,25 Prozent.

Angesichts der weiterhin düsteren Konjunkturaussichten und sinkender Inflation war von allen Seiten eine Zinssenkung um mindestens 25 Basispunkte erwartet worden. EZB-Präsident Wim Duisenberg hatte bereits am Montag mit dem Hinweis auf eine günstige Inflationsentwicklung die Bereitschaft zu einer Zinssenkung signalisiert. Das Vertrauen nach den Anschlägen in den USA habe stärker gelitten als zunächst erkennbar, sagte Duisenberg am Donnerstag auf der Pressekonferenz der EZB. Zudem werde die konjunkturelle Wende später und langsamer als erwartet im ersten Halbjahr 2000 kommen.

Die US-Notenbank Fed hatte ihre deutlich aggressivere Zinspolitik am Dienstag fortgesetzt. Sie reduzierte die Zinsen zum zehnten Mal in diesem Jahr auf das niedrigste Niveau seit 40 Jahren. Der Schlüsselzins liegt damit nur noch bei zwei Prozent. Die Bank of England zog am Donnerstag - noch vor der EZB-Entscheidung - nach und senkte die Zinsen um einen halben Prozentpunkt auf 4,0 Prozent, das niedrigste Zinsniveau seit 37 Jahren.

Volkswirte großer Banken begrüßten den Zinsschritt der EZB. Dieser Schritt sei angesichts der Konjunkturindikatoren und der Tatsache, dass es keine Inflationsrisiken gäbe, zwingend notwendig gewesen, erklärte Klaus Schrüfer von der SEB. Otmar Lang, Volkswirt bei der Deutsche Bank Research, bezeichnete den Zinsschritt als "richtiges Signal".

Die meisten Befragten rechnen sogar mit einem weiteren Zinsschritt noch in diesem Jahr. "Wir haben gesehen, dass auch Europa in eine Rezession geraten kann," so Schrüfer. Im Dezember dürfte es neue Spekulationen geben. Eine weitere Zinssenkung um 25 Basispunkte sei durchaus denkbar. Im kommenden Jahr dürfte es weiter gehen, erklärte auch Otmar Lang, "möglicherweise bis zu 2,5 Prozent". Die Hypovereinsbank sieht ebenfalls noch Spielraum für weitere Zinssenkungen.

Auch in der Politik wurde der lang erwartete Zinsschritt positiv aufgenommen. Die Zinssenkungen der EZB dürften der deutschen und europäischen Wirtschaft Wachstumsimpulse geben, erklärte Bundeskanzler Schröder.

Nach Ansicht Duisenbergs wird die Inflation Anfang 2000 deutlich unter die EZB-Toleranzgrenze von zwei Prozent fallen und auf niedrigem Niveau verharren. Die Teuerungsrate liegt nach dem Achtjahreshoch von 3,4 Prozent im Mai bei vorläufig 2,4 Prozent im Oktober.

Deutschland, die größte Voolkswirtschaft in der Eurozone, hat nach Angaben des Statistischen Bundesamts bereits im Oktober die EZB-Marke von zwei Prozent erreicht. Das ist der niedrigste Stand seit August 2000.

Quelle: ntv.de