Archiv

Angeklagter Ackermann Eichel hat Vertrauen

Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) hat dem wegen Untreue im Fall Mannesmann angeklagten Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann sein Vertrauen ausgesprochen. "Ackermann hat unser volles Vertrauen", sagte Eichel am Samstag im Anschluss an das Treffen der Notenbankchefs und Finanzminister der sieben führenden Industrienationen in Dubai.

„Unschuldsvermutung“

Dasselbe gelte für die weiteren Beschuldigten, darunter der ehemalige Mannesmann-Chef Klaus Esser sowie der frühere IG-Metall-Vorsitzende Klaus Zwickel. Bis zum Schluss des Verfahrens gelte die Unschuldsvermutung, sagte Eichel. Damit wies der Finanzminister indirekt Spekulationen zurück, die seinem Ministerium unterstehende Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFIN) dränge darauf, dass Ackermann sein Amt während des Verfahrens ruhen lassen müsse.

Ackermann denkt nicht an Rücktritt

Der Deutsche-Bank-Chef selbst denkt nach Zulassung der Klage wegen Untreue im Zusammenhang mit der Mannesmann-Übernahme nicht an Rücktritt. „Er wird sein Amt nicht niederlegen“, sagte ein Sprecher der Deutschen Bank am Samstag in Frankfurt der Nachrichtenagentur AP. Wann der Prozess in Düsseldorf beginnt, konnte er nicht sagen.

Bereits am Freitag - nach Zulassung der Anklage durch das Landgericht Düsseldorf - hatte das Kreditinstitut erklärt, Ackermann habe die volle Unterstützung von Aufsichtsrat, Vorstand und Group Executive Committee der Deutschen Bank. Das Management sei überzeugt, dass Ackermann sich zu jedem Zeitpunkt korrekt und sachgerecht verhalten habe und halte die Anklage für unbegründet.

Muss Ackermann den Job ruhen lassen?

Das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ berichtete, Ackermann habe sich bereits ein Büro in Düsseldorf gemietet und wolle während des Prozesses von dort aus die Geschäfte führen. Im Fall einer Verurteilung würde Ackermann seine Banklizenz verlieren.

Ackermann müsse seinen Job während des Prozesses möglicherweise trotz der Rückendeckung der Deutschen Bank ruhen lassen, berichtet das Nachrichtenmagazin weiter. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) sei bereits vor Monaten zu dem Schluss gekommen, dass Ackermann seinen Posten während der Verhandlung nicht mit der notwendigen Sorgfalt ausüben könne. Eine Entscheidung müsse nun das Bundesfinanzministerium treffen.

Gericht lässt Anklage zu

Am Freitag war bekannt geworden, dass das Düsseldorfer Landgericht die Anklagen gegen alle Hauptbeschuldigten in der Mannesmann-Affäre zugelassen hat. Den sechs Beschuldigten, neben Ackermann auch der damalige IG-Metall-Chef Klaus Zwickel, Ex-Mannesmann-Chef Klaus Esser und weitere frühere Manager des Unternehmens, wird vorgeworfen, bei der Übernahme von Mannesmann durch Vodafone extrem hohe Abfindungen kassiert beziehungsweise den Zahlungen zugestimmt zu haben.

Den Schaden beziffert die Staatsanwaltschaft auf 111 Mio. DM (57 Mio. Euro). Auch der frühere IG-Metall-Chef Klaus Zwickel sowie der frühere Mannesmann-Chef Klaus Esser sind angeklagt. Justizkreisen sollen auch die Klagen gegen diese ehemaligen Führungskräfte vom Düsseldorfer Landgericht als zulässig erklärt worden sein.

Spekulationen um Abfindungen

In einem beispiellosen Übernahmekampf im Jahr 1999, der sich über Wochen hinweg zog, gab Anfang 2000 der damalige Mannesmann-Vorstandschef Klaus Esser nach und überließ Vodafone-Boss Chris Gent das Feld. Spekulationen, dass das Einlenken des Mannesmann-Vorstands und des früheren Aufsichtsratsvorsitzenden Joachim Funk durch hohe Abfindungen erkauft worden ist, machten in den folgenden Jahren die Runde.

Als erste Reaktion auf die Zulassung der Klage erklärte ein Sprecher von Deutschlands größtem Kreditinstitut, dass Ackermann die volle Unterstützung von Vorstand und Aufsichtsrat habe. Der Manager selbst kündigte bereits vor einem halben Jahr an, dass er notfalls auch einen Rechtsstreit aussitzen würde.

Die Aktien der Deutschen Bank gingen am Freitag mit einem Verlust von 1,8 Prozent auf 58,15 Euro aus dem Handel.

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema