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Staatliche Kontrollen Eichel prüft Wirtschaftsprüfer

Wirtschaftsprüfer sollen künftig staatlich kontrolliert werden. Einem Bericht des Magazins "Der Spiegel" zufolge überlegt Finanzminister Eichel, bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) eine Kontrollabteilung für Wirtschaftsprüfer einrichten zu lassen. Eine Ministeriumssprecherin wollte den Bericht nicht bestätigen.

Die Sprecherin des Bundesfinanzministeriums verwies aber auf frühere Aussagen Eichels, wonach der Finanzminister gesagt hatte, es sei denkbar, dass die Anstalt zusätzliche Aufgaben bekomme. Eichel hatte dabei die Kontrolle der Wirtschaftsprüfer als Beispiel genannt. "Der Spiegel" schreibt, die staatliche Aufsicht für Wirtschaftsprüfer solle ähnlich arbeiten wie die schon bestehenden Kontrollinstanzen für Banken und Versicherungen.

Hintergrund dieser neuen "Kontrollabsichten" sind zahlreiche Bilanzskandale großer US-Konzerne wie WorldCom oder Enron. Fehlbuchungen in Milliardenhöhe und Bilanzunregelmäßigkeiten hatten Kursstürze ausgelöst und maßgeblich zur Insolvenz der beiden Konzerne beigetragen. Die Wirtschaftsprüfer der Unternehmen waren ins Fadenkreuz der Kritik geraten, weil sie die Bilanzen der Unternehmen testiert, also geprüft und für in Ordnung befunden hatten.

Die Unregelmäßigkeiten bei der Rechnungslegung hatten neben Kursstürzen und Insolvenzen vor allem aber einen enormen Vertrauensverlust bei Investoren und Anlegern zur Folge. Fachleute glauben deshalb sogar, dass das Vertrauen in Aktien als Geldanlage weltweit starken Schaden genommen haben könnte. Davon betroffen sei auch die noch junge Aktienkultur in Deutschland.

Wie der "Spiegel" weiter schreibt, will Eichel offenbar auch die Ausicht für die Börsen in einer Hand zusammenfassen. Bislang ist dies eine Gemeinschaftsaufgabe von Bund und Ländern. Dem Bericht zufolge denkt Eichel auch über schärfere Regeln für Börsenanalysten nach.

Anfang Juli war das Vierte Finanzmarktförderungsgesetz in Kraft getreten. Absicht des Gesetzgebers ist es, mit diesem Regelwerk das Vertrauen der Anleger in den deutschen Finanzplatz zu stärken. Dies sei bereits gelungen, so die Sprecherin des Finanzministeriums. Allerdings befände sich die Gesetzgebung hier "in einem laufenden Prozess". Es habe sich zudem gezeigt, dass die deutsche Gesetzgebung zu Bilanzierung und Rechnungslegung einen höheren Schutz für Anleger böten als entsprechende US-amerikanische Vorschriften.

In Deutschland wird überwiegend nach den Vorschriften des Handelsgesetzbuches (HGB) bilanziert. Auch die International Accounting Standards (IAS) finden Anwendung. Ab dem Jahr 2005 sollen die meisten an der Börse notierten Unternehmen nach einem Beschluss der Europäischen Union nach IAS-Regeln bilanzieren.

Quelle: n-tv.de

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