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Größte Windkraftanlage Ein Jahr nach Betriebsstart

Sie ist höher als der Kölner Dom und ihr riesiger Rotor überstreicht beim Drehen eine Fläche von der Größe zweier Fußballfelder: Die "5M" im schleswig-holsteinischen Brunsbüttel gilt als größte und leistungsfähigste Windenergieanlage der Welt. Am 2. Februar 2005 hatte die Anlage den Automatik-Betrieb aufgenommen. Seitdem treibt der frische Seewind ihren 126 Meter großen aus Kohlefasern und glasfaserverstärktem Kunststoff gefertigten Rotor bis zu zwölf Mal pro Minute im Kreis: Dabei peitschen die Spitzen der drei jeweils 18 Tonnen schweren Flügel mit der Geschwindigkeit eines Formel-1-Rennwagen durch die Luft.

Der Hamburger Windanlagenbauer Repower Systems hat die "5M" für den Offshore-Betrieb entwickelt. Sie soll einmal vor der Küste im offenen Meer bis zu 17 Millionen Kilowattstunden pro Jahr erzeugen - das ist der Jahresbedarf an Strom für 4500 Haushalte. Nach den ersten zwölf Monaten Probelauf sind die Betreiber mit dem Prototyp zufrieden. Selbst harte Winterstürme habe die Anlage "souverän durchfahren", sagt Technologie-Vorstand Matthias Schubert: "Wir wissen heute, dass die 5M auch bei tagelanger Nennlast ein gesundes Betriebsverhalten hat." Repower will deshalb nach eigenen Angaben in diesem August erstmals zwei "5M"-Anlagen auf hoher See errichten. Im Rahmen eines EU-Projekts sollen die Windgeneratoren 25 Kilometer vor der schottischen Küste im 44 Meter tiefen Wasser verankert werden, sagte Pressesprecherin Daniela Puttenat.

Auch bei uns schielen die Betreiber der Windparks schon lange begehrlich auf das "freie" Meer. Deutschland nutzt seit mehr als 15 Jahren den Wind als Energielieferanten. Doch die Windräder gerieten schon allein wegen ihrer Menge in die Kritik. Neben dem Vorwurf, sie beeinträchtigten das Landschaftsbild, stören sich die Gegner der Windenergie an Land immer wieder am Lärm und an den flackernden Schatten der drehenden Rotoren.

Bessere Ausbeute auf dem Meer

Auf dem Meer können Windräder höhere und konstantere Windgeschwindigkeiten nutzen und in bares Geld verwandeln. Vorgemacht haben es ihnen Dänemark, Großbritannien und Schweden, die schon die ersten Offshore-Anlagen in Betrieb genommen haben. Deutschlands ehrgeiziges Ziel ist es, 15 Prozent des Stromverbrauchs bis zum Jahr 2030 durch Offshore-Windkraftanlagen zu decken.

Ein Meilenstein auf diesem Weg ist der Prototyp der "M5" in Brunsbüttel: Ein schlanker Stahlturm mit sechs Metern Durchmesser am Fuß. Er wurde in riesigen Einzelteilen zur Baustelle transportiert und mit 1100 Verbindungselementen verschraubt. Oben auf seiner Spitze steht das "Herzstück" der Anlage: Ein Generator mit Transformator und doppelt gelagerter Rotorwelle samt Getriebe und Rotorarretierung.

Millimeterarbeit beim Zusammenbau

Millimeterarbeit und damit größtes Problem beim Zusammenbau war die Montage des Rotors: Mit seinem Gesamtgewicht von 120 Tonnen - das sind mehr als 100 Mittelklassewagen - konnte er in 120 Metern Höhe nur bei fast völliger Windstille montiert werden. Der ganze Turm bringt 750 Tonnen auf die Waage und steht auf einem massiven Fundament, das von 40 Betonpfeilern getragen wird, die 24 Meter in die Erde reichen. 1300 Kubikmeter Beton und 180 Tonnen Stahl wurden dafür verbraucht. Mittlerweile haben die Betreiber die Baugenehmigung für zwei weitere 5-Megawatt-Anlagen auf der anderen Seite der Elbe im niedersächsischen Cuxhaven erhalten, um an Land den Offshore-Einsatz der Windkraftanlage testen können. Die neuen "5M"Anlagen sollen voraussichtlich bis Oktober 2006 fertig gestellt werden und im November ans Netz gehen.

"Da die Zukunft der Windenergie vor allem in leistungsstarken Windparks auf dem Meer liegen wird, ist es wichtig, dass das Betriebsverhalten der Multi-Megawatt-Anlagen vor diesem Schritt und unter realistischen Bedingungen ausgiebig an Land geprüft werden kann", sagte Matthias Schubert. "Mit jeder weiteren Testanlage gewinnen wir schon aus den Vergleichsdaten wertvolle Erkenntnisse, die für die Offshore-Planungen unverzichtbar sind."

Quelle: ntv.de

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