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Der Börsen-Tag Erdogans Schwiegersohn kündigt Sparkurs an

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(Foto: REUTERS)

Die türkische Regierung stellt sich in ihrem neuen Wirtschaftsprogramm auf einen Rückschlag beim Konjunkturaufschwung ein. Das geht aus einer Präsentation von Finanzminister Berat Albayrak hervor, der auch Schwiegersohn von Präsident Recep Tayyip Erdogan ist.

Türkische Lira / US-Dollar
Türkische Lira / US-Dollar ,18

Demnach rechnet die Regierung mit einem Wirtschaftswachstum von 3,8 Prozent in diesem Jahr und von 2,3 Prozent im kommenden Jahr. Bisher war sie von Anstiegen von jeweils 5,5 Prozent ausgegangen. Dabei kalkuliert Albayrak eine sinkende Inflation ein: Nach einem Anstieg auf 20,8 Prozent in diesem Jahr rechnet Albayrak für 2019 mit einem Rückgang auf 15,9 Prozent und für 2020 auf 9,8 Prozent. Im August lag die Preissteigerung bei knapp 18 Prozent.

Zugleich kündigte Albayrak an, die Regierung werde sich auf das Sparen konzentrieren. Das ist vor allem deshalb bemerkenswert, weil der ökonomische Boom der vergangenen Jahre auf Pump finanziert wurde - und die Popularität Erdogans in der Türkei zu einem wesentlichen Teil auf dem Wirtschaftswachstum basiert.

Die Türkei steckt derzeit tief in einer Währungskrise: Die Lira hat seit Jahresbeginn im Vergleich zum Dollar rund 40 Prozent an Wert verloren. Um den Kursverfall zu stoppen, hatte die Zentralbank des Landes vergangene Woche den Leitzins auf 24 Prozent angehoben.

Hohe Zinsen dämpfen tendenziell die Inflation und stützen den Kurs einer Währung. Die Kehrseite ist, dass sie zugleich das Wirtschaftswachstum bremsen.

Schwiegerpapa Erdogan will derweil von einer Krise nichts wissen. "Das ist alles nur Manipulation. Wir haben keine Krise oder dergleichen", sagte er gestern vor Veteranen in Ankara. "So Gott will, werden wir unseren Weg gestärkt weitergehen, und wir werden noch stärker werden." Erdogan, der ein Gegner hoher Zinsen ist, hatte die Entscheidung der Zentralbank zuvor deutlich kritisiert.

Quelle: n-tv.de