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Vor 100 Jahren geboren Erinnerung an O.E. Hasse

Er war "Des Teufels General" und der deutsche Abwehrchef Canaris, der Wallenstein und "Der Arzt von Stalingrad" - der Schauspieler O.E. Hasse, der vor 100 Jahren am 11. Juli 1903 in Posen geboren wurde. Sein überragendes darstellerisches Talent machte ihn vor allem nach 1945 zu einer der profiliertesten Schauspieler-Persönlichkeiten des deutschsprachigen Theaters und des Films.

Der Begriff "Charakterdarsteller" könnte für ihn erfunden worden sein, meinte der damalige Bundespräsident Walter Scheel 1978 in einem Glückwunschschreiben zum 75. Geburtstag Hasses. Der Schauspieler starb wenige Monate später, am 12. September 1978, in Berlin.

Der hochdekorierte Schauspieler hatte ein verblüffend breites Spektrum darstellerischer Möglichkeiten und zeichnete sich durch eine große Sensibilität ebenso aus wie - nach Kritikermeinung - durch "raue Eleganz". Gleich nach dem Krieg spielte er in Berlin in Goethes "Urfaust" den Teufel als eleganten Intellektuellen und nahm damit eine spätere Darstellungsweise Gustaf Gründgens' vorweg.

An der seinerzeit ersten städtischen Bühne West-Berlins, dem Hebbel-Theater, spielte er den Mr. Antrobus in Thornton Wilders "Wir sind noch einmal davongekommen", 1947 den Odysseus in "Der Trojanische Krieg findet nicht statt" von Jean Giraudoux und 1948 den Jupiter in "Die Fliegen" von Jean-Paul Sartre.

"Er war ja am besten und war am meisten er selbst, als er die Fünfzig überschritten hatte", meinte der Berliner Theaterkritiker Friedrich Luft über Hasse. "Da wurde er zu einem imperialen Schauspieler. Die Rollen der Könige, der Mächtigen dieser Erde kamen ihm zu." Unvergessen blieben auch seine brillanten Wortgefechte, die Hasse in der Gestalt des Dichters George Bernhard Shaw mit Elisabeth Bergner in "Geliebter Lügner" von Jerome Kilty führte, oder seine Darstellung als "Rameaus Neffe" von Denis Diderot, mit denen er im Berliner Renaissance-Theater auftrat und erfolgreich auf Tournee ging.

Auf der Leinwand sah man Hasse in etwa 50 Rollen, wie in Alfred Hitchcocks "I Confess" (Ich beichte) als paranoider Mörder (1952/53), in Anatol Litvaks "Entscheidung im Morgengrauen" (1950) oder in den deutschen Filmen "08/15 ", "Der Maulkorb", "Frau Warrens Gewerbe" und "Canaris". Außerdem lieh er so berühmten Schauspielerkollegen wie Spencer Tracy und Charles Laughton seine markant-raue Stimme im Synchronstudio.

Zum Fernsehen kam Hasse erst im Alter von über 70 Jahren, als er den 90-jährigen Literatur-Nobelpreisträger Knut Hamsun in Peter Zadeks Verfilmung des Theaterstücks "Eiszeit" von Tankred Dorst spielte.

Quelle: n-tv.de