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BAFin bestätigt Ermittlungen gegen MLP

Der Finanzdienstleister MLP kommt nicht aus den Schlagzeilen raus. Nun hat die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BAFin) bestätigt, bei MLP Ermittlungen aufgenommen zu haben. Gegenstand der Ermittlungen seien auch Kurs- und Marktmanipulationen, bestätigte eine BAFin-Sprecherin einen entsprechenden Bericht des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" vom Vortag.

Schon vor der abermaligen Durchsuchung von MLP-Geschäftsräumen in der vergangenen Woche habe man diesen Verdacht gehegt und bei der Razzia das Augenmerk darauf gelenkt, hieß es. Gegen wen sich der Verdacht richte, wollte die Sprecherin nicht verraten. Die möglichen Kursmanipulationen stünden aber nicht unbedingt im Zusammenhang mit der Gewinnwarnung vom 02. August diesen Jahres.

Bei einer Marktbeeinflussung wird der Kurs einer Aktie durch absichtlich gestreute Gerüchte positiv oder negativ beeinflussst. Die Höchststrafe liegt dafür wie beim Insiderhandel bei fünf Jahren. Die Bundesanstalt und die Staatsanwaltschaft Mannheim prüft bei MLP schon in zwei Fällen wegen angeblichen Insiderhandels: Zum einen geht es um die am 02. August publizierte Gewinnwarnung, zum anderen ermittelt das BAFin wegen Insidergeschäften mit MLP-Papieren vor der vor zwei Jahren angekündigten Umwandlung von Vorzugs- in Stammaktien.

Ein MLP-Sprecher betonte am Wochenende erneut, dass sie überzeugt seien, dass die Bilanzen korrekt sind. Zudem habe das Unternehmen ein eigenes Interesse an der Aufklärung auffälliger Kursbewegungen.

Die Lebensversicherung der Tochter

Gleichzeitig dementierte MLP einen Bericht des Magazins "Focus" wonach MLP-Aufsichtsratschef Manfred Lautenschläger mit einer Lebensversicherung für seine Tochter in Höhe von einer Milliarde Euro die Konzernbilanz manipuliert haben könnte. Eine solche Versicherung sei nie abgeschlossen worden, hieß es.

Er habe nie, weder für ihn selbst noch für ein Familienmitglied eine Lebensversicherung in dieser Höhe abgeschlossen, erklärte Lautenschläger und kündigte rechtliche Mittel gegen die Personen an, die gezielt diese falschen Behauptungen verbreiten würden. Auch ein Pressesprecher des Gerling-Konzerns, bei dem die Lebensversicherung angeblich abgeschlossen wurde, erklärte, dass es eine derartige Versicherung bei der Gerling Leben nie gegeben habe.

Dem Bericht zufolge hatte Lautenschläger seine 26-jährige Tochter Christina über MLP mit einer Mrd. Euro versichert. Im Januar 2002 soll der Aufsichtsratschef dann den offenbar nie ernst gemeinten Versicherungsantrag zurückgezogen und MLP die Provision in Höhe von 60 Mio. Euro an Gerling zurückerstattet haben.

Bei MLP äußerte man bereits einen Verdacht, wer diese Geschichte an die Presse kolportiert haben könnte. Verdächtigt wird der im September fristlos entlassenene Vertriebsvorstand Dorian Simon. Bereits am Donnerstag hatte der Börsendienst "Prior Börse" fast gleichlautende Vorwürfe verbreitet. Simon war entlassen worden, weil MLP ihm vorwirft, vertrauliche Geschäftsunterlagen an Investmentbanker und Medien weiter gegeben zu haben.

Bereits seit Mai hat MLP mit Vorwürfen über Bilanzfälschungen zu kämpfen. Den Anfang machten Berichte des Anlegermagazins "Börse Online". Erst in der vergangenen Woche hatten Staatsanwaltschaft, Polizei und Beamte der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht zum zweiten Mal Geschäftsräume von MLP untersucht. Die Affäre setzt die MLP-Aktie an der Börse gewaltig unter Druck. Angesichts der drastisch gesunkenen Marktkapitalisierung ist der Titel mittlerweile vom Rauswurf aus dem Dax bedroht.

Quelle: n-tv.de

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