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Arbeitstitel "Valkyrie" Erste Klappe für Cruise-Film

Immer wieder heulen Flugzeugmotoren und am Rollfeld herrscht hektische Betriebsamkeit: Auf einem alten Flugplatz mitten im brandenburgischen Wald laufen Probeaufnahmen für den Hollywood-Thriller "Valkyrie" über das Hitler-Attentat mit Mega-Star Tom Cruise in der Hauptrolle. "Offizieller Drehstart ist an diesem Donnerstag", sagte ein Sprecher des Koproduzenten Studio Babelsberg am Mittwoch. Streng geheim bleibt, wann Cruise persönlich erscheinen wird. "Ein Eintrag ins Goldene Buch ist zumindest nicht geplant", lässt der Amtsdirektor vom Schenkenländchen, Ulrich Arnts, verlauten. Der bekennende Scientologe Cruise spielt den deutschen Widerstandskämpfer Claus Schenk Graf von Stauffenberg.

Dessen Attentat auf den Diktator im ostpreußischen Führerhauptquartier "Wolfsschanze" war am 20. Juli 1944 gescheitert. Arbeitstitel für den Cruise-Film ist nach Auskunft des Studiosprechers nach wie vor "Valkyrie" - in Erinnerung an die "Operation Walküre", wie die Widerstandskämpfer ihre Umsturzpläne genannt hatten. Als internen Namen verwende die Filmcrew "Rubicon". Zwar wurde ein Dreh im Berliner Bendlerblock, in dessen Hof Stauffenberg und mehrere Mitverschwörer hingerichtet worden waren, verweigert, aber eine Genehmigung für die Kantine des Columbiahauses am Flughafen Tempelhof hat Studio Babelsberg in der Tasche.

Nazi-Embleme in der Luft

"In der Kantine wird schon ordentlich gewerkelt", bestätigte Thomas Leitschuh, zuständig für die Immobilienverwaltung bei der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, den "Tagesspiegel". Auch auf dem besagten Flugplatz in Löpten - er liegt im Amt Schenkenländchen - laufen die Vorbereitungen seit Tagen. "Stundenlang flogen zwei JU-52 und zwei Jagdflieger am Himmel, begleitet von einem Hubschrauber, aus dem wohl gedreht wurde", sagte Arnts. Die aufgemalten Nazi-Embleme seien vom Boden aus ganz genau zu sehen gewesen.

Tatsächlich ist auf dem Rollfeld in Löpten eine Junkers Ju 52 ("Tante Ju") mit einem Hakenkreuz auf dem Heck vom Wald aus zu erkennen. Näher heran wird niemand gelassen. Die Hollywood- Produzenten wollten zumindest für die ersten Wochen ein "Closed Set" - also keine Medien vor Ort. Dass in diesem beschaulichen Waldareal die Dreharbeiten - übrigens unmittelbar vor dem 63. Jahrestag des gescheiterten Attentates - beginnen, wird an den Flatterbädern nicht erwähnt. Nur ein kleiner Pfeil zeigt zum "Set". Zu den Drehorten im Schenkenländchen zählt auch die nachgebaute "Wolfsschanze".

Entweder Stauffenberg oder Scientology

Nachdem bereits zahlreiche kritische Stimme dazu laut geworden waren, dass Cruise als Scientology-Anhänger in die Rolle des Widerstandskämpfers schlüpft, meldete sich nun der letzte Überlebende des engsten Kreises um Stauffenberg zu Wort. Er befürworte diese Besetzung nur, wenn Cruise "zwischen der Sekte, die er vertritt, und dem Film unterscheiden kann", sagte Philipp Freiherr von Boeselager der Zeitschrift "Vanity Fair". "Wenn das aber irgendwie subtil vermischt oder zu Gunsten von Scientology instrumentalisiert wird, dann wäre ich hundertprozentig dagegen."

Mit Blick auf den Jahrestag sagte Freiherr von Boeselager, Stauffenberg sei der einzige gewesen, der "so nah an Hitler herankam und den Schneid hatte, ihn umzubringen". Dabei "war er körperlich völlig ungeeignet dafür, er war ja schwer verwundet, hatte ein Auge verloren und nur noch drei Finger an einer Hand". Boeselager besorgte damals den Sprengstoff. Für die Hollywood-Produktion sollen auch Kenneth Branagh, Carice van Houten, Thomas Kretschmann, Christian Berkel oder Tom Wilkinson vor der Kamera stehen. Wer Hitler spielt, war vom Studio Babelsberg noch nicht zu erfahren. Im Schenkenländchen sieht man diesem Starauftrieb derweil gelassen entgegen. Arnts meinte trocken: "Wir sind Preußen, da gibt es keinen Riesenauflauf."

Von Imke Hendrich, dpa

Quelle: n-tv.de