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Berechneter Showdown Erstes TV-Duell in Deutschland

Am Sonntagabend, 20:15 Uhr, wird erstmals in Deutschland ein amtierender Regierungschef zum medialen Redewettstreit mit seinem Herausforderer antreten. Obwohl durchaus fraglich ist, inwieweit das in Amerika schon zur Institution gewordene Format geeignet ist, im bundesrepublikanischen Wahlkampf die Wählerschaft zu beeinflussen, soll die Detailplanung für den Ablauf des Duells nichts dem Zufall überlassen.

Historischer Austragungsort

Auf dem früheren DDR-Fernsehgelände im Ost-Berliner Stadtteil Adlershof gleichen die Kulissen für den Auftritt der beiden Kontrahenten auf den ersten Blick denen jeder x-beliebigen Talk-Show. Und auch der zweite Blick, der die staatstragende Seriosität des schnörkellosen Designs erfasst und ahnen lässt, dass es hier ums Ganze gehen soll, vermag nicht auszumachen, dass die exakte Höhe der dezent hellgrauen Rednerpulte Verhandlungssache war. Es waren der Vize-Sprecher der Bundesregierung, Bela Anda, und der CDU-Wahlkampfmanager Michael Spreng, die hier mehr als die bloßen Eckpunkte für das Procedere festlegten.

Die 75-minütige Debatte wird sich nach ihrem Willen weitgehend in Sequenzen von 90 Sekunden Länge auflösen, die jedem Kandidaten für die Beantwortung einer Frage bleiben. Nachfragen sind nur zweimal pro Themenkomplex vorgesehen, die Antwortzeit ist hier um ein Drittel kürzer. Für die Kameras wurden nicht nur die Positionen fixiert: auch der Verzicht auf Kamerabewegungen wurde vereinbart - jedem bleibt es selbst überlassen, sich in ein günstiges Licht zu rücken. Und damit er hierbei auf keinen Fall durch eine Panne behindert und um wichtige Sekunden seiner Redezeit gebracht wird, soll jeder Redner mit zwei Mikrofonen verkabelt werden.

Getrennte Wege bis zum Schluss

Aus logistischer Sicht ist das Ereignis nicht nur in Bezug auf die Sicherheit eine Herausforderung. Gerhard Schröder und Edmund Stoiber sollen auf dem Studiogelände bis zur letzten Sekunde auch gegeneinander abgeschirmt werden. Neben den separaten Räumen, in denen sie sich auf die Debatte einstimmen werden, stehen ihnen deshalb auch eigene "Masken" zur Verfügung, in denen sie geschminkt werden, sowie getrennte Wege ins Studio.

Dort wird dann außer den Kandidaten, den Moderatoren und den Technikern niemand mehr anwesend sein. Zwischen sechs und acht Millionen Zuschauer aber werden nach Schätzungen der austragenden Sender SAT.1 und RTL das Duell an den Bildschirmen verfolgen.

Quelle: ntv.de

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