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Noch sieben Wochen Euro findet mehr Freunde

Noch 50 Tage bis zum Euro - aber das Interesse in Deutschland scheint gering. Doch, der Euro kommt. Wer jetzt die Urlaubsreisen für 2002 plant, sieht in den Katalogen nur noch Euro-Preise, keine doppelte Auszeichnung mehr wie im Handel. Wer umrechnen will, muss den Taschenrechner zu Hilfe nehmen.

Die Akzeptanz des Euros hat in Deutschland indes zu genommen. Noch vor einem Jahr sahen in einer Emnid-Befragung 70 Prozent der Befragten mehr Nachteile durch die Einführung der neuen Währung. In der jüngsten Umfrage Ende Oktober sahen nur noch 41 Prozent der Befragten die Einführung des Euro negativ. Vorteile versprechen sich 43 Prozent der Befragten von der neuen Währung. Im Vorjahr waren es nur 28 Prozent.

Schlechter sieht es vor allem bei den kleineren und mittleren Unternehmen aus. Rund die Hälfte der IHK-Mitgliedsunternehmen gab bei einer Umfrage der Kammern an, das Rechnungswesen im Laufe des Jahres 2001 umzustellen. 49 Prozent wollen das erst zum Stichtag 1.Januar. 2001 tun.

Die Franzosen stehen der neuen Währung eher skeptisch gegenüber. Das traditionsbewusste Verhalten der Franzosen bereitet der Banque der France offensichtlich Sorgen, zumal auch viele kleine und mittlere Unternehmen sich nach wie vor dagegen sperren, ihre Buchhaltung auf den Euro umzustellen. Eine Signalwirkung versprechen sich die Zentralbanker davon, das der staatliche Stromkonzern EDF seine Rechnungen nur noch in Euro umstellt. Der Abschied vom Franc soll nach dem Willen der Banque de France kurz und schmerzlos sein: Einen Monat früher als geplant darf nur noch in Euro bezahlt werden.

Die Belgier gehörten in Sachen europäischer Integration schon immer zu den Vorreitern. Umfragen belegen, dass sie sich mit dem Euro schon vertraut gemacht haben. In Belgien werden die „Starter-Kits“ mit der Euro-Bargeld-Ausstattung schon seit dem 1. September bei Banken, Postfilialen und dem Einzelhandel verteilt. Am 15. Dezember geht die Ausgabe an die Bürger los, wie etwa auch in Spanien.

Die Iren freuen sich auf den Euro und sind bis auf die kleinen Unternehmen mit am besten vorbereitet. Dieser positiven Grundstimmung kommt sicherlich zugute, dass sich die emotionale Bindung an die eigene Währung in Grenzen hält: Erst seit 1928 hat der Inselstaat sein eigenes Geld, und bis Ende der siebziger Jahre war dieses an das britische Pfund gekoppelt. Außerdem haben die Iren in jüngster Vergangenheit (1971) schon eine Währungsumstellung bewältigt.

In den anderen Euro-Ländern sehen die Bürger der Einführung der neuen Währung sehr gelassen entgegen. Wehmütige Gefühle wie in Deutschland oder Frankreich gibt es fast nirgendwo. Ab dem 17. Dezember können sich die Deutschen auch an das neue Geld gewöhnen. Dann gibt es die „Starter-Kits“ mit Münzen im Wert von 10 Euro und 23 Cent auch hier zu Lande.

Die jungen Leute in Europa halten den für die bedeutendste Errungenschaft der EU in den vergangenen zehn Jahren. Laut einer Umfrage der EU-Kommission im April und Mai dieses Jahres sagten 48 Prozent der befragten jungen Europäer, die Einführung der Einheitswährung sei der wichtigste Leistung der EU gewesen.

Unter den jungen Niederländern ist diese Meinung mit 68 Prozent am stärksten. Danach folgen die Belgier mit 64 und die Luxemburger mit 59 Prozent. In Deutschland waren 53 Prozent der Befragten dieser Ansicht. Schlusslicht bildeten die Briten mit 22 Prozent, noch weit hinter den Schweden mit 38 und den Griechen mit 40 Prozent.

Quelle: ntv.de

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