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UN-Sicherheitsrat Experten-Reaktionen

UNO-Waffeninspekteur Hans Blix hat Irak vor dem UNO-Sicherheitsrat am Freitag vorgeworfen, über viele verbotene Waffen keine Rechenschaft abgelegt zu haben. Er äußerte sich aber nicht dazu, ob dies einen "schwerwiegenden Verstoß" Iraks gegen die Abrüstungsauflagen der Vereinten Nationen darstellt.

Hier erste Reaktionen von Politik- und Wirtschaftsexperten:

Guillaume Parmentier, Direktor des Zentrums für USA-Studien am französischen Institut für Internationale Beziehungen (IFRI), Paris:

"Ich glaube nicht, dass die USA nach den Berichten von Blix und el Baradei noch ernsthaft eine Mehrheit im Sicherheitsrat für ihre Position erwarten können. Das sind gute Nachrichten für Frankreich, weil es nicht sein Veto einlegen muss. Ich glaube, es wird für die USA sehr schwer werden, den Waffeninspektoren nicht einige weitere Wochen Zeit zu geben."

Jacques Beltran, Experte für transatlantische Beziehungen am IFRI, Paris :

"Blix' Bericht stärkt dieses Mal, anders als der Bericht am 27. Januar, eher jenen den Rücken, die mehr Zeit für die Inspektionen verlangen."

Rosemary Hollis, Leiterin des Nahostprogrammes am Royal Institute of International Affairs. London:

"Ich glaube nicht, dass Blix mit seinem Bericht die Meinung von irgendjemandem verändert hat. In seinem Bericht war für jeden etwas dabei und zugleich war er für niemanden befriedigend."

Alex Nicoll, The International Institute for Strategic Studies:

"In dem Bericht ist mehr Stoff für Kriegsgegner als für Kriegsbefürworter, aber ein Krieg droht nach wie vor, so lange Saddam Hussein keine klare Kehrtwende macht. Der Bericht wird sicherlich eine heiße Verhandlungswoche für die Mitglieder des Sicherheitsrats bringen. Blix hat ganz sicher nicht gesagt, dass Irak eine klare Kehrtwende gemacht hat, aber er scheint einige positive Signale gefunden zu haben. Diese Rede ist mehr faktenorientiert und weniger emotional als die vorherige. Das ist mehr Futter für die Tauben (Kriegsgegner) als für die Habichte (Kriegsbefürworter). Er hat gesagt, Irak habe einige Dokumente zu Milzbrand, VX und Raketen freiwillig übergeben, was eine proaktivere Haltung Iraks zeigen könnte. Er hat indirekt auch ein oder zwei Dinge in Frage gestellt, die Colin Powell gesagt hatte - er sagte, die von den US-Satelliten gesehene Bewegung von Dekontaminationslastern könnte Routine gewesen sein."

Charles Heyman, Herausgeber von Jane’s World Armies, London:

"Ich glaube, in dem Bericht ist für jeden etwas drin, auf welcher Seite man auch steht, ob man für oder gegen einen Krieg ist. Da ist genug drin, um entweder zu sagen, der Bericht entlastet Irak oder um einen Krieg zu rechtfertigen. Mein Gefühl ist, es wird eine weitere Resolution geben, aber ich könnte mich irren."

Phil Flynn, Analyst, Alaron Trading:

"Bisher war es dasselbe Zeug, was wir schon gehört haben: Sie haben keine Massenvernichtungswaffen gefunden, aber eine Menge von verbotenem Material wird vermisst. Ich glaube nicht, dass Russland, Deutschland und Frankreich das reichen wird. Da muss schon eine Atombombe auftauchen."

Ross Norman, Analyst, Thebulliniondesk.com:

"Die Tauben glauben nach den versöhnlichen Äußerungen von Herrn Blix, dass ein Krieg gegen den Irak weniger wahrscheinlich geworden ist."

Merlin Marr-Johnson, Analyst, HSBC Bank, USA:

"Effektiv scheint es nicht genug zu geben, um in den Krieg zu ziehen. Aber es wird interessant sein zu sehen, was in der letzten Handelsstunde mit den in New York gehandelten Gold Futures passiert. Ich wäre nicht überrascht, wenn sie wieder ein bisschen hochkommen würden am Ende."

Avery Shenfeld, Volkswirt, CIBC World Markets:

"Ich bin nicht daran interessiert, was Herr Blix sagt, ich will etwas von Herrn Bush hören. Die USA hat klar gemacht, dass sie bereit sind, wenn nötig den Krieg gegen Irak alleine anzuführen. Ich glaube immer noch, dass uns ein Krieg bevor steht."

Lex Werkheim, Fondsmanager, Eureffect:

"Es scheint sich einiger Optimismus breit zu machen. Investoren verkaufen seit Wochen vor diesem Bericht, und jetzt kaufen sie wieder, weil das Szenario rosiger geworden ist als erwartet."

Timothy Ghriskey, Geldmanager Ghriskey Capital Partners:

"Blix deutet an, dass es nur kleinere Verletzungen der UNO-Resolution gegeben hat, und dass diese abgeschafft wurden. Das deutet darauf hin, dass die UNO nicht für eine gemeinsame Invasion Iraks stimmen wird. Der Markt erwartet auch keine militärische Aktion gegen den Irak, obwohl wir davon überzeugt sind, dass die USA militärisch vorgehen wird, aber nur mit begrenzter Unterstützung der Alliierten. Der Markt baut Gewinne aus, weil die Chancen einer militärischen Aktion gefallen sind, aber nochmal - wir glauben nicht, dass die Wahrscheinlichkeit gefallen ist, dass die USA mit der Unterstützung einiger Partner militärisch gegen Irak vorgehen wird."

Ein Öl-Futures-Händler:

"Die meisten Ölhändler denken, dass das Resultat schon eine beschlossene Sache ist - Krieg. Das ist also nur eine Show, und wir werden nur ein paar Gewinnmitnahmen sehen."

Quelle: ntv.de