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Rodenstock ohne Rodenstock Familie steigt aus

Ende einer Ära bei einem der bekanntesten deutschen Familienunternehmen: Nach 130 Jahren steigt die Familie Rodenstock durch den Verkauf ihres noch verbliebenen Zehn-Prozent-Pakets komplett bei Deutschlands größtem Brillenhersteller aus. "Kalt lässt mich das nicht", sagte der Aufsichtsratsvorsitzende Randolf Rodenstock am Freitag in München. Allerdings dürfe man sich als Unternehmer nicht von Gefühlen leiten lassen. Die Familie habe keine sinnvolle Rolle als Kapitalgeber spielen können, das Unternehmen gehe gestärkt aus den Besitzerwechseln der vergangenen Jahre hervor. Die Rodenstocks sind überzeugt, den Konzern mit seinen rund 4300 Mitarbeitern in gute Hände übergeben zu haben. Die Finanzinvestoren seien "keine Heuschrecke, sondern eine Honigbiene."

Randolf Rodenstock hatte das Unternehmen in vierter Generation von 1983 bis 2003 geführt. So ein Erbe könne durchaus auch eine Last sein, sagte der 58-Jährige. Sein Vater, der ehemalige BDI-Präsident Rolf Rodenstock, habe auf ein Engagement gedrängt. "Mein Vater hat erheblich Druck gemacht, als ich noch klein war." Letztendlich habe er sich dann aber aus eigener Entscheidung für die Fortsetzung der Familientradition entschieden. Für die Finanzierung der weiteren Expansion habe er aber schon früh den Gang an die Kapitalmärkte erwogen.

Auch wegen geschäftlicher Probleme in den USA verkaufte die Familie dann vor gut drei Jahren 49 Prozent der Anteile an Permira. Im Jahr darauf stockte der Finanzinvestor auf 85 Prozent auf. Jetzt reicht Permira die Anteile an Bridgepoint weiter, einen weiteren Finanzinvestor. Das Management bleibt mit fünf Prozent engagiert, die Familie Rodenstock gibt dagegen ihre Anteile von noch zehn Prozent im Zuge der Transaktion an Bridgepoint ab. Permira, das in wirtschaftlich schwierigen Zeiten günstig eingestiegen war, verabschiedet sich mit einer satten Rendite.

Familienunternehmen haben nach Einschätzung Rodenstocks im Vergleich zu anderen Firmen Vor- und Nachteile. "Es gibt eine große gegenseitige Abhängigkeit." Die Familie sei vom Wohl des Unternehmens abhängig, weil sie dort voll investiert sei. "Wir hatten alle Eier in einem Korb." Das Unternehmen wiederum sei bei der Expansion auf die Finanzkraft der Familie angewiesen. Zudem sei die Flexibilität der Führung möglicherweise eingeschränkt. "Der Emanzipation des Managements war das nicht förderlich. "Dem Unternehmen habe das Engagement der Finanzinvestoren gut getan. Permira habe den Kurs grundsätzlich fortgesetzt, aber kräftig in den Brillenhersteller mit zuletzt gut 345 Millionen Euro Umsatz (2005) investiert. "2006 gab es einen richtig schönen Wachstumsschub und die Perspektiven sind sehr gut."

So ließ es Rodenstock denn seinen beiden Kindern offen, ob sie im Familienunternehmen mitmachen. "Ich möchte nicht, dass alles unter dem Diktat der Familie entsteht." Vielmehr unterstütze er jetzt seine 34-jährige Tochter in ihrer Unternehmensberatung. Auch sonst dürfte Rodenstock es auch dann nicht langweilig werden, wenn er in absehbarer Zeit auch den Aufsichtsratsvorsitz bei Rodenstock abgeben sollte. Er ist unter anderem Vorsitzender des Roman Herzog Instituts und will als so genannter Business Angel junge Unternehmen unterstützen. Zudem will er als Präsident der bayerischen Metallarbeitgeber und der bayerischen Arbeitgeberverbände nach dem Rückzug von Rodenstock weitermachen.

Von Axel Höpner, dpa

Quelle: n-tv.de