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Dienstag, 10. Mai 2005

40 Jahre "Super 8": Flimmern, Rauschen, Kult

Die Filme, die über den Projektor flimmern, sind auf "Super 8" gedreht. Das Material wird derzeit 40 Jahre alt und hat mittlerweile Kult-Status bei Cineasten erreicht - unter anderem auch bei "Lothars Schmalfilmabend" in Hannover.

Der Veranstalter Thommi Baake (42) nimmt sich seit 2001 den cineastischen Raritäten und Kuriositäten an. "Ich habe am Samstag jetzt passenderweise die vierzigste Vorstellung hier, bundesweit sind es schon mehr als 60", sagt der Schauspieler und Kleinkünstler, der die Film-Perlen in einer Mischung aus Comedy, Quizshow und Improtheater den Zuschauern präsentiert.

Mittlerweile besitzt Baake rund 400 Filme auf Super 8 und 16 Millimeter. "Was da alles für Sachen produziert wurden, das glaubt man nicht", sagt er und zählt einige Filmtitel auf: Von Unterrichtsfilmen wie "Nähen 1-4" oder "Eine Hausfrau kauft ein" über Stummfilme und Musikvideos bis hin zu Softpornos gibt es alles zu sehen. "Ein Klassiker ist zum Beispiel "Udo bekommt einen neuen Anorak", da spricht das Publikum schon mit", erzählt Baake. Unter der Rubrik "Verschwendetes Filmmaterial" zeigt er auch mal Privatvideos wie das eines Federball spielenden Pärchens oder Norberts 60. Geburtstag. "Da es aber immer Kurzfilme zwischen drei und 20 Minuten sind, ist für jeden etwas dabei", sagt der Vorführer.

Seine Filme bezieht Baake unter anderem über das Internet, einen britischen Filmservice und einen Fachladen in den Niederlanden. "Man muss schon richtig auf die Suche gehen", sagt der leidenschaftliche Cineast. Ganz selten wird er von Menschen angesprochen, die ihm ihre privaten Filme anbieten wollten. Hier gäbe es aber genug Nachschub, denn "Super 8" sei das am meisten verwendete Material bei Hobbyfilmern und Semi-Professionellen gewesen, erklärt Baake.

"Anfang der 80er Jahre boomte der Super 8-Film. Er war besonders beliebt bei Amateuren sowie bei der jungen Szene der Gegenbewegung und Subkultur. Das Material wurde für den Kunst- und Experimentalfilm gebraucht und war der Vorläufer aller Medienkünste", bestätigt Jochen Coldewey (48), der Leiter der Förderung bei der Nordmedia in Hannover. Ab Mitte der 80er Jahre sei das Format aber durch das technisch verbesserte Video verdrängt worden. Es ließ sich schneller bearbeiten, nutze sich nicht so schnell ab und konnte besser verbreitet werden. "Super 8 hat durchaus ästhetische Qualität und seinen eigenen Reiz, aber die Bedeutung in der Filmbranche hat es heute völlig verloren, da dominieren im analogen Bereich Video und 35 Millimeter", sagt Coldewey.

Bei Filmkunstfans hat das Material keineswegs an Bedeutung verloren. "Zu meinen Schmalfilmabenden kommen immer auch neue Interessierte, und es sind vor allem jüngere Leute, die anscheinend gerne in Erinnerungen schwelgen", sagt Baake. Auch für ihn steht die Nostalgie an erster Stelle: "Super 8 ist einfach noch Kino. Das ist ein spezielles Licht, eine besondere Körnung und einfach ein ganz anderes Bild. Das hier ist eben noch das andere Kino, ein Puschenkino halt, statt des sonst üblichen Hollywood-Popcorn-Kinos."

Quelle: n-tv.de