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Friedman alias "Paolo Pinkas" Frauen und Drogen geordert?

Der unter Drogenverdacht stehende Talkmaster Michel Friedman soll bei einem Berliner Zuhälterring Prostituierte angefordert haben. Medienberichten vom Wochenende zufolge kamen die Ermittler Friedman zufällig auf die Spur, weil sie die Handys der Zuhälter abhörten.

Nach Informationen des "Spiegel" hatte sich Friedman bei den Zuhältern mit dem Namen "Paolo Pinkel" gemeldet. Allerdings berichtet der Berliner "Tagesspiegel", die Ermittler hätten sich bei dem Namen möglicherweise verhört: Friedman benutze zuweilen den Namen "Paolo Pinkas".

Nach der Festnahme der Bande im April hätten Prostituierte ausgesagt, Friedman habe ihnen Kokain angeboten, berichtete der "Spiegel" weiter. Die Ukrainerinnen hätten aber nach eigener Aussage das Angebot abgelehnt. Der Menschenhändlerring vermittelte demnach vor allem Osteuropäerinnen, die sich illegal in Deutschland aufhielten. Friedmans Stimme sei durch Abgleich mit seinen TV-Auftritten eindeutig identifiziert worden. Laut "Focus" prüfen die Ermittler, ob der Moderator telefonisch gleichzeitig Frauen und Drogen orderte.

Auch Bärbel Schäfer unter Schock

Nach Informationen von "Bild am Sonntag" fiel Friedmans Name bereits vor zwei Jahren in einem Verfahren gegen einen Dealer in Frankfurt am Main. Am vergangenen Mittwoch hatten Fahnder der Berliner Justiz Friedmans Wohnung und Anwaltskanzlei in Frankfurt durchsucht und dabei Spuren von Kokain gefunden. Am gleichen Abend moderierte Friedman die vorerst letzte Ausgabe seiner gleichnamigen Live-Sendung im ARD mit Peter Scholl-Latour. Im Anschluss daran erlitt der Moderator offenbar einen Zusammenbruch.

Die "Süddeutsche Zeitung" berichtete, Friedman sei gesundheitlich schwer angeschlagen nach Südeuropa abgereist. Auch seine Lebensgefährtin Bärbel Schäfer steht nach Angaben der "Bild"-Zeitung unter Schock. Nach Informationen des Blattes will Friedman einen Prozess gegen sich unbedingt vermeiden und möglicherweise einen Strafbefehl akzeptieren.

Nach den Durchsuchungen von Friedmans Büro und Wohnung soll es einen heftigen Streit zwischen der Berliner und Frankfurter Justiz gegeben haben. Laut "Frankfurter Rundschau" musste sich der Chef der Berliner Justiz, Hansjürgen Karge, bei seinem Frankfurter Kollegen entschuldigen, weil dieser nicht vorab von der Aktion informiert worden waren. Der Berliner Justizsprecher Björn Retzlaff sagte der Zeitung, dass das Verfahren gegen Friedman als Teil des Gesamtverfahrens gegen die Menschenhändler in Berlin weitergeführt werde.

Experte nennt Haarprobe unverhältnismäßig

Unterdessen kritisierte der Wiesbadener Strafrechtler Gerhard Grüner, dass Friedman eine Haarprobe abgenommen worden war. Er habe schwerste Bedenken, ob dabei der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit gewahrt worden sei, sagte Grüner der Tageszeitung "Die Welt". Er habe den Verdacht, dass Friedman mit der Haarprobe gezwungen werden sollte, an seiner eigenen Überführung teilzunehmen.

Drogenkonsum ist nicht strafbar, sondern nur der Besitz einer "konsumierbaren Menge". Bei Friedman waren nur geringe Pulverreste gefunden worden. Friedman wollte sich bis zum Wochenende auf Anraten seines Anwaltes zu der Affäre nicht äußern. Der Hessische Rundfunk hatte bisher lediglich eine Erklärung verbreitet, wonach Friedman seine Sendungen "Friedman" und "Vorsicht! Friedman" bis zur Klärung der Vorwürfe aussetzt.

Quelle: n-tv.de